Das Geheimnis der chinesischen Dame

Drei italienische Europapokal-Halbfinals diese Woche, mit Juve, Napoli und Fiorentina. Und was macht Milan? Verliert auch noch gegen Napoli (0:3), dümpelt auf Platz zehn, wird vom eigenen Anhang nur noch ausgepfiffen. In früheren Zeiten wäre da der Trainer längst geflogen. Aber Pippo Inzaghi bleibt bis zum Saisonende. Erstens ist mit seiner Truppe nicht viel mehr zu reißen. Zweitens ist Superpippo der billigste Coach weit und breit: 500.000 im Jahr, dafür wäre er als Spieler gar nicht erst aufgestanden. Drittens kann Silvio Berlusconi jetzt keinen neuen Mann mehr einstellen, ist er doch gerade dabei, den Klub zu verkaufen. Oder zumindest einen Teil.

29 Jahre lang war Berlusconi alleiniger Besitzer der Associazione Calcio Milan, jetzt muss er damit Kasse machen. Seine Kinder wollen es so, allen voran die älteste Tochter Marina, die nicht nur im Fininvest-Konzern das Sagen hat. Die Verkaufsverhandlungen entwickeln sich zur Telenovela. Heute titelt die „Gazzetta“ über das „Geheimnis der chinesischen Dame“, die offenbar im Auftrag gleich dreier Investoren mit Berlusconi feilscht. Letzte Woche war bereits der thailändische Finanzier Bee Taechaubol in Mailand, musste Tage lang auf eine Audienz in Berlusconis Residenz in Arcore warten und zog dann unverrichteter Dinge wieder ab. Auch hinter Taechaubol steht China, nämlich eine chinesische Staatsbank. Das Interesse der Chinesen am italienischen Fußball ist nicht ganz neu, der Drittligist Pavia gehört bereits einem chinesischen Unternehmer und Evergrande Guangzhou gewann mit den italienischen Trainern Marcello Lippi und Fabio Cannavaro die letzten vier chinesischen Meistertitel.

Noch beteuert Berlusconi, er wolle den Mehrheitsanteil halten und suche nur einen Juniorpartner. 49 Prozent für 500 Millionen Euro, ein Schnäppchen. Ende Mai sind in Italien Regionalwahlen und Berlusconis „Forza Italia“ droht da sowieso eine gewaltige Schlappe. Den alten Arbeiterverein Milan ausgerechnet jetzt an Großkapitalisten aus dem kommunistischen China abzugeben, sähe nicht so gut aus. Die Telenovela geht also weiter.

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