Coppa Italia

Juve schon wieder. Diesmal: Pokalsieg nach zehn Jahren, mit einem 2:1 gegen Lazio. Viel Glück war im Spiel, die Juventini waren mental wohl schon in Berlin, boten aber immerhin nicht die B-Mannschaft auf wie beim Derby d’Italia gegen Inter letztes Wochende. Auch gewonnen, ebenfalls 2:1. So rennen sie von Sieg zu Sieg, aber dass die Serie durch Barcelona brüsk gestoppt wird, ist heute abend wieder sehr wahrscheinlich. Allzu sehr mühten sich die Juventini mit den 70er-Jahre-Pöhlern von Lazio, die zwar sehr schnell sind, aber auch sehr berechenbar. Am liebsten arbeiten Kloses Kollegen mit harten Fernschüssen – und die waren dann auch derart gefährlich, dass Juves Vorrat an Torverhinderungs-Wundern vermutlich schon beim kleinen Pokalfinale im Stadio Olimpico zu Rom aufgebraucht wurde. Am Ende Jubel, Trubel, Heiterkeit.

Und ein italienischer Staatspräsident, der in der Halbzeitpause mit sorgenzerfurchter Stirn erklärte, die Italiener wollten endlich einen sauberen Fußball. Tja, woher nehmen? Auch Renzi ließ ein empörtes Basta! vernehmen, der Fußballsumpf sei trockenzulegen, keine Ausreden mehr. Was geschah? Eigentlich nichts besonderes, nur mal wieder ein Wettskandal in der dritten und vierten Liga, also bei den Geringverdienern unter Spielern und Präsidenten, die offenbar bei der kalabrischen ‚Ndrangheta auf der Payroll standen. Bei jeder dieser Großrazzien fragt man sich ja, wieso die Staatsanwälte (diesmal in Catanzaro) eigentlich gerade jetzt darauf kommen, das Dickicht der Ligen ins Visier zu nehmen. Es gibt in vielen Gegenden Süditaliens kaum einen Bereich, in dem Mafiabosse nicht den Ton angeben, von den Krankenhäusern bis zu den Autobahnbaustellen, von kommunalen Busbetrieben bis zur Schulmensa. Wieso sollte da der Fußball außen vor bleiben?

Bei Lazio spielt immer noch Stefano Mauri (heute abend auf der Bank). Der Spieler saß unter Wettbetrugs-Verdacht in Untersuchungshaft, wurde gesperrt, und wird derzeit wieder von einem Kronzeugen belastet. Alles kein Problem für seinen Klub.

Soviel zum Pokal der Männer. Das Pokalendspiel der Frauen sollte eigentlich am kommenden Samstag ausgetragen werden, aber wahrscheinlich findet es nicht statt. Weil die Spielerinnen streiken, aus Protest gegen den Präsidenten des Amateurfußballsverbandes. Der hatte Finanzhilfen für den Frauenfußball mit diesem Satz abgeschmettert: „Es reicht mit dem Geld für diese vier Lesben!“ (siehe Beitrag „Frauenfußball für Finsterlinge“). Danach gab es viel Palaver, keinen Rücktritt und eine einzige Solidaritätserklärung aus dem Männerfußball – von Francesco Totti, dem Kapitän des AS Rom. Beim Pokalfinale heute abend sprach niemand über den Skandal. Schwarze Wetten – gehören mit der geballten Staatsgewalt bekämpft. Verbalgewalt gegen Frauen – gehören ausgesessen. Wer guckt denn Frauenfußball? Italien schaut nach Berlin.

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