Rom, imageschädigend

Daran, dass die italienische Presse regelmäßig Rom zur Dritte-Welt-Hauptstadt erklärt, sind wir schon gewöhnt. Daran, dass kleinbürgerliche Blogs wie Romafaschifo (Rom ist eklig) unter den Internet-Spießern einen riesigen Anhang finden, auch. Heute macht etwa der Corriere della Sera mit dieser Schlagzeile auf: „Verwahrlosung und Verschwendung, der verlorene Glanz von Rom.“ Es folgt eine Aufzählung all‘ der Gräuel, die die Ewige Stadt zu bieten hat, angefangen mit den Löchern im Asphalt, dem Unkraut auf den Bürgersteigen und in den öffentlichen Parks etc.

Rom ist dreckig! Heruntergekommen! Es gibt politisch-kriminellen Filz! Nichts funktioniert! Und die Armen denken auch nicht daran, sich diskret zu verstecken!

Alles wie in einer richtigen, europäischen Großstadt halt. Wie in London, Paris oder Berlin. Aber gab’s da nicht doch ein paar Ecken in Rom, die ganz nett sind? Sogar so genannte Sehenswürdigkeiten? Hat nicht Rom angeblich die meisten Kunstschätze der Welt?

Nicht doch. Im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung (Montagsausgabe, online nicht verfügbar), werden an einen Manager des römischen Modehauses Fendi folgende Fragen gestellt:

1.Ist das paralysierte Rom für die Erneuerung einer Marke überhaupt der richtige Ort?

2.Ist es nicht riskant, den Ruf Fendis so eng an eine verwahrloste Stadt zu binden?

Da kommt man dann, nach einem Vormittag in den vorbildlich restaurierten Hallen des Trajansmarktes mächtig ins Grübeln. Im antiken Warenhaus wird gerade eine hervorragend inszenierte Modeausstellung gezeigt. Gattinoni, Dior, Etro und viele andere haben Kleider zur Verfügung gestellt, deren Design Nahrungsmittel evozieren.  Und in jenen uralten Ziegelsteinhallen, wo früher Luxuswaren aller Art feilgeboten wurden, wird wieder einmal jene magische Verbindung von Antike und Moderne, von Schönheit und Vergänglichkeit geschaffen, die nur in Rom möglich ist.

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Ein Gedanke zu “Rom, imageschädigend

  1. Wir waren im März in Rom, übrigens das allererste Mal, obwohl ich seit ich 13 bin fast jährlich Urlaub in Italien mache.
    Was ich zu Rom sagen möchte:Klar, auch mir sind all diese unangenehmen Dinge aufgefallen, aber vielleicht sollte man einfach mal die Kirche im Dorf lassen. Ich wohne selbst in einer Großstadt – natürlich nicht mit Rom vergleichbar – aber Dreck, Unkraut, Müll sind allgegenwärtig in großen Städten. Wieso sollte Rom da eine Ausnahme bilden nur weil wir – oder wer eigentlich – erwarten, dass dort alles perfekt ist.
    Also wir kamen an und hatten abends Vollmond über dem Colosseo. Wirklich ein phänomenaler Empfang. Wir wohnten in einem Viertel, wo es viele Botschaften gibt, da war alles supersicher. Auch fanden wir die Präsenz der Polizei nicht als störend, sondern eher beruhigend. Wir sind alles mit der Metro gefahren und wurden nicht beklaut. Wir konnten nicht feststellen, dass Rom „schlimmer“ ist als andere Großstädte. Auf meinem Blog habe ich gerade einen Beitrag geschrieben, dass gute Planung ratsam ist – vor allem in unserem etwas „reiferen“ Alter.

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