Von Autobahnen und Autostrade

Wenn man unter der gleißenden Sommersonne von Italien nach Deutschland fährt, macht man sich so seine Gedanken. Zum einen darüber, dass die italienischen Autostrade mitten in der Woche herrlich frei sind und die deutschen Autobahnen entsetzlich verstopft. Eine Baustelle nach der anderen und viel, sehr viel Verkehr. Das ist der eine Unterschied. Der andere ist viel grundsätzlicher und betrifft die großen Schilder, die an den Autobahnrändern aufgestellt sind. Diese Schilder stehen nämlich für die ganz großen Differenzen im Lebensgefühl.

In Italien wird verkündet: „Sei in un paese meraviglioso“ (du befindest dich in einem wunderbaren Land). Mit Hinweis auf jene Weltwunder, die an der nächsten Abfahrt warten. Du befindest dich in einem wunderbaren Land! Das hebt die Stimmung. Da schaut man sich doch spontan um und denkt: Stimmt!

In Deutschland gibt es – naja: sowas ähliches. Schilder in einem merkwürdigen Braunton, sie heißen sehr neutral und sehr offiziell „Touristische Unterrichtungstafeln.“ Entsprechend ist ihr Effekt: Aha, diese Sehenswürdigkeit könnte ich jetzt auch noch abarbeiten.

Die Unterrichtungstafeln sind ziemlich klein und viel zu dezent. Sie verschwinden buchstäblich hinter jenen riesigen Schildern, die allüberall gut gelaunte Autofahrer und deren Begleitung zeigen. Dazu dieser Text: „Einer rast, zwei sterben.“ Oder: „Einer drängelt, drei sterben.“ Schließlich: „Einer ist abgelenkt, vier sterben.“

PrimitiveImage

Hilfe! denkt man da, aus dem wunderbaren Land Italien kommend. Ist, sich Sorgen zu machen, eigentlich die erste deutsche Bürgerpflicht? Muss man uns wirklich alle paar Kilometer entgegenbrüllen, dass auch in der schönsten Sommerlandschaft hinter jeder Kurve der Tod lauert? Oder dürfen wir uns endlich auch mal sagen, dass wir in einem paese meraviglioso leben?

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2 Gedanken zu “Von Autobahnen und Autostrade

  1. Sehr schön Frau Schönau ich bin ja grad andersrum gefahren und da sind mir die Italienschilder auch aufgefallen. Im Paese meraviglioso ist den Bürgern leider manchmal diese Schönheit nicht bewusst. Wir wanderten indem
    Lago di Nemi. Was da an Müll rumlag im Gelände bis hin zu rottenden Kühlschränken das war schon erschreckend.

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    • Ja, es gibt wilde Müllkippen in Italien. Und manchmal auch Kühlschränke im Gebüsch (wirklich nur in Italien?) Aber deshalb den Italienern zu unterstellen, sie hätten kein Bewusstsein für die Schönheit ihres eigenen Landes, finde ich etwas übertrieben.

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