Große Oper

In Deutschland sind Debatten über die Garderobe der Bundeskanzlerin tabu. Dies, weil sich hartnäckig die protestantische Überzeugung hält, es käme auf den Inhalt an und nicht auf die Form. Im übrigen habe eine Regierungschefin ja auch wichtigeres zu tun, als sich um ihr Outfit zu kümmern. Angela Merkel hat das Problem auf ihre praktische Art gelöst, indem sie als Arbeitskleidung eine Art Uniform benutzt, wie das ja auch die meisten Männer tun: Immer der gleiche Hosenanzug in wechselnden Farben und offensichtlich auch in verschiedenen Größen. Das ist natürlich in Ordnung, ja sogar klug. Wer nicht jene nonchalante Eleganz besitzt, mit der etwa die Französin Lagarde aufzutreten weiß, für den ist äußerste Zurückhaltung die einfachste und beste Lösung.

Problematisch wird es, wenn auf den Arbeitstag der festliche Abend folgt, etwa bei Wagners in Bayreuth. Dann erlebt die Welt diese Version der deutschen Regierungschefin:

merkel

Was ja gar nicht schlecht wäre für einen Auftritt als Schützenkönigin in Westfalen. Wenn man aber anschließend wieder mit südeuropäischen Kollegen in ihren gut geschnittenen Anzügen ernsthaft verhandeln muss, dann kann sich diese Kleiderwahl als ziemlich fatal erweisen. Im Süden pflegt man von mächtigen Menschen zu erwarten, dass sie zumindest ihre Garderobe unter Kontrolle haben. Das ist sozusagen das soziale Einmaleins. Ehrlich gesagt, erwartet man es nicht nur von mächtigen, sondern auch von ziemlich ohnmächtigen Menschen. Hier spreche ich aus Erfahrung. „Westfalian style?“ fragte meine Schwiegermutter, als sie vor ziemlich vielen Jahren erstmals meiner und meines lustigen Blümchenrocks ansichtig wurde. Meine Schwiegermutter ist einerseits promovierte Naturwissenschaftlerin, wie Merkel – von der sie viel hält. Andererseits aber auch eine süditalienische Signora.

Europa bietet uns Europäern ja doch eine Menge. Man darf unter anderem auch von den anderen lernen. Zum Beispiel dies: Was auf dem ganzen Kontinent schick wäre, kann man als sehr wichtiger Mensch getrost anziehen. Und was nur in der Uckermark oder im Sauerland angesagt ist, lässt man besser im Schrank.

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