Ohropax für alle!

Die Serie A ist ja in den letzten Jahren ziemlich auf den Hund gekommen. International kaum noch konkurrenzfähig, mit nur zwei festen Champions-League-Plätzen längst von der einstmals abgeschlagenen Bundesliga überholt, trudelt man hier fröhlich in die Bedeutungslosigkeit, hält sich aber, ähnlich wie die oströmische Abteilung Süper Lig unverdrossen weiter für Weltklasse. Und was braucht eine Weltklasse-Liga, um sich von den Fußball-Entwicklungsländern zu unterscheiden? Richtig: Eine Hymne.

Ein Chor, der Tifosi und Sportler gleichermaßen beflügelt, wuchtig und leicht zugleich, als wäre es ein Stück von Verdi oder Puccini. Schließlich ist in Italien nicht nur der Fußball, sondern nachweislich auch die Oper erfunden worden. Rätselhaft also, wieso die Liga über Jahrhunderte auf eine eigene Hymne verzichten musste.

Es gibt sie jetzt und sie klingt so. Komponiert und dirigiert vom Maestro Giovanni Allevi – das ist der dünne Hering mit dem Wuschelkopf – gesungen vom Chor der Oper von Parma. Parma! Der dort ansässige Fußballklub ist soeben wegen seiner Pleite in die Amateurliga abgestiegen und darf im Unterholz der Serie D weiter den guten alten Triumphmarsch von Giuseppe Verdi spielen. Das Werk von Allevi kriegen nämlich nur die Fans und Profis der ersten beiden Ligen zu hören. Vor jedem Spiel soll es ertönen, in allen Stadien, noch vor den Vereinshymnen.

Allevis Stück heißt „O generosa.“ Oh Großzügige! Verse blühenden Unsinns auf englisch und lateinisch. Wenn man ganz genau hinhört, so versteht man: „Custodi animum tuum ut a corruptione abstineat.“ Oder so ähnlich. Soll wohl heißen: Schütze deine Seele, um der Korruption zu widerstehen.

Lug und Betrug wird in Italiens Stadien jetzt also was gepfiffen, äh gesungen! Leider zu einer Melodie irgendwo zwischen gregorianischem Gesang, Wagner und Michael Jackson. Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist es manchmal eben nur ein Halbton. Und während die Spieler betreten schweigen (aber denen ist sowieso alles egal), protestieren die Tifosi schon energisch. Die Hymne sei das beste Mittel, um auch den letzten Fan aus dem Stadion zu treiben, lästern sie.

Ohropax für alle!

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