Spätsommer am See

Der Lago di Bolsena ist Europas größter Vulkansee, in seiner Mitte 150 Meter tief und meine Lieblingsbadewanne. Schwarzer Sandstrand, klares Wasser, an den Ufern wenige, irgendwie aus der Zeit gefallene Ortschaften mit uralten Namen wie Marta, Montefiascone, Bolsena. Viel grauer Tuffstein, viele mittelalterliche Häuser und Kirchen, dazu kleine, unprätenziöse Lokale: Ein Italien, das es eigentlich nicht mehr gibt. Außer natürlich in unseren Träumen.

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Zum See fahren die „locali“, also die Leute aus der Umgebung. Sie stellen das Auto an die ungepflasterte Strandstraße, holen ihre Liegestühle und Sonnenschirme heraus, fertig. Die Atmosphäre ist familiär, hier ist der Strand noch ein Strand und kein Laufsteg. Am Donnerstag nachmittag, wenn die Altenpflegerinnen aus der Ukraine frei haben, wird am Seeufer gegrillt. Manchmal kommt ein Eiswagen vorbei oder ein Laster mit Melonen, die Kiste zu vier Euro. Sehr selten kommt ein afrikanischer Strandhändler.

Italiener machen eigentlich keinen Urlaub am Lago, sie reisen lieber ans Meer. Mit der Begründung, sie könnten im See nicht den Grund sehen, und das sei ihnen unheimlich. Im Bolsener See kann man ohne weiteres den Grund sehen, er ist schwarz und tatsächlich ein wenig unheimlich, vor allem am Abend.

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Und vor allem, wenn man daran denkt, dass auf dieser Insel die Gotenkönigin Amalasuntha in einen Hinterhalt gelockt wurde. Nach kurzer Gefangenschaft erwürgten ihre Häscher sie im Bad.

Ein See voller Geschichten. Unergründlich. Und zum Abtauchen schön.

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