Logenplätze

Früher war die Balkontribüne in der Provinz ein Klassiker: Stadion inmitten eines Wohnviertels, die Nachbarn haben Gratisplätze auf der Terrasse. Was ja irgendwie auch ausgleichende Gerechtigkeit ist – nicht jeder zieht, wie es einer unserer römischen Freunde als Student tat, freiwillig in den Wohnblock direkt neben die Arena, damit er zu Fuß in die Südkurve marschieren kann. Vor vielen Jahren konnte ich das auch, aus dem Dortmunder Kreuzviertel musste man nur schnell über die Fußgängerbrücke laufen.

Damals gab es im Westfalenstadion das berühmte Loch in der Kurve, von dem manche (ich hab’s nie ausprobiert) behaupteten, es ermögliche freie Sicht auf den Rasen. Aber diese Löcher wurden überall geschlossen, nur in Frosinone gibt es sie noch. Dort waren die Dachterrassen und Balkons am letzten Samstag beim Regionalderby gegen die AS Roma gestopft voll. Zu voll, mahnt jetzt die Polizei. Alle Anwohner wurden aufgefordert, beim nächsten Heimspiel nicht zu viele Balkongäste einzuladen. Wieviel genau „zu viele“ sind, wollten die Spielverderber nicht sagen. Und vermutlich hat sich die Polizei auch keine Gedanken darüber gemacht, was die unmittelbaren Stadionnachbarn denn anderes machen sollen, als während des Spielbetriebs auf die Dachterrasse ihres Gebäudes zu flüchten. Die Häuser sind ja derart nah an die Tribünen gebaut, dass man aus den Fenstern der unteren drei Stockwerken nur noch die Beine der Tifosi sieht, wenn Frosinone spielt.

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