Der Gladiator

Francesco Totti trifft zum 300. Mal für die Roma. Auf der Tribüne tanzen seine Kinder. Totti, der Gladiator. Er selbst sieht sich in der Tradition der antiken, römischen Schaukämpfer, hat das Bildnis eines Gladiatoren auf seinen Arm tätowiert, läuft zur Filmmusik des „Gladiators“ ein.

Weil im Film außer der Musik jetzt nicht so viel stimmt, hier ein paar Gladiatoren-Fakten:

Gladiatorenkämpfe waren ursprünglich Schauspiele bei Begräbnissen, wurden in der Kaiserzeit aber ein Must für die Cäsaren. Augustus weist in seinem Rechenschaftsbericht Res Gestae darauf hin, dass er acht Gladiatorenkämpfe mit insgesamt 10.000 Kämpfern abhalten ließ. Für Trajan marschierten genau so viele für ein einziges Event im Kolosseum auf. Gefeiert wurde sein Sieg über die Daker. Hundert Tage lang.  

Wer Gladiatorenkämpfe veranstalten wollte, musste nachweisen, dass sein Vermögen dafür ausreichend war.

Spielervermittler liehen ihre Kämpfer an die Veranstalter aus, und verlangten im Falle von Verletzung oder Tod oftmals saftigen Schadensersatz. Ihrerseits mussten die negotiatores familiae gladiatoriae für ihr einträchtiges Geschäft an den Kaiser hohe Steuern zahlen. Die Kaiser Mark Aurel und Commodus führten eine Obergrenze für die Gage der Gladiatoren ein – zeitweise.

Gladiatoren waren: Kriegsgefangene, Sklaven, Freigelassene, später sogar Senatoren, Patrizier, ja der Kaiser Commodus selbst. In Ausnahmefällen auch Frauen, die von weiblichen Spielervermittlern vermietet wurden. Fast alle traten mit Künstlernamen auf: Leo, Tigris, Ferox, Invictus, Castor, Dyomedes, Hector, Hercules, die Frauen als Amazone, Achillea.

Beginn der Gladiatoren-Laufbahn mit 17, 18 Jahren – wie für Soldaten, Durchschnittslebenserwartung 30 Jahre, dito. Eheschließungen von Gladiatoren waren nicht selten, ihre Frauen, die mit ihnen in der Kaserne (ludo) lebten, wurden ludia genannt. Daher wahrscheinlich das deutsche Schmähwort „Luder“. Römische Chronisten berichteten über Senatoren- und sogar Kaisergattinnen, die sich in die attraktiven Kämpfer verliebten und als adlige Luder ihren Ruf beschädigten.

Maximus aus Rom brachte es in der frühen Kaiserzeit auf 36 Siege. Die Hinrichtung von Gladiatoren nach schlechter Vorstellung blieb die absolute Ausnahme, denn für solche „Bestrafung“ waren die Kämpfer schlicht zu teuer. Kaiser Domitian warf allerdings einen Zuschauer den Hunden vor, der im Stadion allzu laut jenen Gladiator geschmäht hatte, auf den der Kaiser selbst setzte.

Der Christenfreund Konstantin konnte sich nicht dazu entschließen, die Gladiatorenkämpfe ganz zu verbieten, er distanzierte sich nur ziemlich halbherzig von ihnen und verlegte sie von Rom ins nahe Umbrien.

Der 1. Januar ist der Namenstag des heiligen Telemachos, eines christlichen Märtyrers, der im Kolosseum als Spielverderber von der aufgebrachten Zuschauermenge gesteinigt wurde, als er versuchte, einen Gladiatorenkampf zu unterbrechen. Telemachos hat es in Rom nie zu einer eigenen Kirche gebracht, lediglich eine kleine Straße in einem Park zwischen Kolosseum und ludus magnus (der großen Gladiatorenkaserne) ist nach ihm benannt. Übrigens direkt neben dem neuen Martin-Luther-Platz.

Letzter Gladiatorenkampf in Rom: anno domini 404.

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