Von wegen Beton

16 Gegentore in fünf Spielen: die AS Roma hat die schlechteste Abwehr der Champions League. Das 1:6 in Barcelona liest sich peinlicher, als es ist, hätte es doch viel schlimmer ausgehen können. Insgeheim hatte ich ein 0:8 befürchtet – und nicht nur ich. „Selbst als wir alle hinten standen, haben wir noch zwei gekriegt“, hat Rudi Garcia von der Bank gesehen.

Dieses beharrliche Sammeln von Gegentreffern fällt vollkommen aus der italienischen Tradition, ist jedoch für die Roma gar nichts Besonderes. In den letzten 27 Europacup-Spielen gönnte man dem Gegner stets mindestens einen Treffer. Vor dem lustigen Franzosen Garcia hatten auch schon andere ausländische (Luis Enrique) und einheimische Trainer kein Händchen für die Hintermannschaft gezeigt – und wurden trotzdem oder gerade deshalb von den Fans verehrt. Allen voran der Böhme Zdeněk Zeman, ein mürrischer Kettenraucher, dessen unzählige Gesichtsfalten ihn in den Augen vieler schon zum Philosophen machen.

Der römische Barde Antonello Venditti widmete dem Coach gar den Song „La coscienza di Zeman“ in Anspielung auf einen berühmten Roman von Italo Svevo. „Zeno Cosini“ heißt im Original „La coscienza di Zeno“ – Zenos Gewissen. Zeman hat nie einen Titel gewonnen und die Roma nach seiner Rückkehr auf einen Abstiegsplatz geführt. Macht aber nichts, sie würden ihn sofort wieder nehmen.

Es ist nämlich so, dass im alten Rom zwar ein Beton erfunden wurde („opus caementitium“), der die Jahrtausende überdauerte, man beim Fußball aber lieber darauf verzichtet.

Zemans Gewissen. 

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