Hundert gute Gründe, in Rom zu leben/1

Platten am Hinterrad, Sonntag morgen um zehn. Und natürlich kein Flickzeug zur Hand (wobei Reifen flicken noch nie meine Spezialität war, obwohl man das zu meiner Zeit noch in der Grundschule lernen musste).

Was tun? Ein paar Schritte schieben zu Lillos Bike, einer typisch römischen Schrauberhöhle, von oben bis unten vollbepackt mit Leihrädern, Reifen in allen Größen und Schattierungen und Lillos unverkäuflichen Nostalgiegerätschäften, also erbsengrünen Bonanzarädern mit Bananensätteln und hoffnungslos durchgerosteten Ciao-Mofas. Lillo selbst ist nicht da, am siebten Tag muss auch er mal ruhen. Aber sein Freund Mario hält den Laden offen. Breites Gesicht, breite Schultern, breite Hände. Weiße Haare.

Der Mantel ist durch, sagt Mario. Heute fährst du noch mal damit, den Rest macht Lillo morgen. Er montiert das Rad ab, zieht den Schlauch raus, geht in das Hinterzimmer, kommt mit einem Eimer Wasser wieder. Ein neuer kostet dich zehn Euro, erklärt er, aber das sieht doch hier ganz gut aus, kann man reparieren für fünf.

Der Schlauch wird geflickt. Wieder aufgezogen. Mantel darüber. Rad rein. Das dauert eine gute halbe Stunde, in der man sich austauschen kann über den Zustand des Viertels (schlecht), der Radwege (schlechter) und über die Zukunft der römischen Radfahrer: Rosig. Anders, sagt Mario trocken, kommt hier sonst doch bald keiner mehr vom Fleck. In 20 Jahren fahren hier alle Rad. Wer leben wird, wird’s sehen.

Fünf Euro dann. Warte, den Kassenzettel brauchst du auch noch.

Draußen scheint strahlend die Sonntagssonne.

 

 

 

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