Wintermärchen II

Naja, Winter ist ein großes Wort für das liebliche Westfalen. Ein paar Tage Frost und gleich wieder grüne Wiesen, heute wehte gar ein frühlingshaftes Lüftchen aus Südsüdwest. Würde mich nicht wundern, wenn zum Wochenende die ersten Biergärten öffneten und die kühnsten Cabrio-Fahrer ihr Verdeck zurück klappten.

Schräg genug wären sie hier. Unter den Schrägen aber sei hier Ludger (Westfalen über 40 heißen öfter Ludger, nach dem Schutzpatron des südlichen Münsterlandes) Bücker aus Herzfeld erwähnt, einem Wallfahrtsort an der Lippe, in dessen Café am Kreisverkehr freitags die weltbesten Reibekuchen mit Apfelmus serviert werden. Man sitzt da also am Kreisverkehr, sinnt den Traktoren und Bierlastern nach, ein Reibekuchen folgt derweil auf den anderen  – und plötzlich schiebt ein Mann mit seiner Waschmaschine um die Ecke. Der will nicht umziehen, sondern weiter. 1200 Kilometer hat Ludger Bücker sein Trömmelchen „Mikaela“ bereits durch Deutschland geschoben, hinzu kamen weitere tausend durch Dänemark und Polen, bergauf, bergab, auf der Sackkarre. Von der Heimatzeitung „Die Glocke“ (so etwas gibt es hier noch, der Lippstädter Konkurrent heißt „Der Patriot“) gefragt, was denn der Antrieb für die Waschmaschinen-Tour gewesen sei, antwortete Bücker: „Im Prinzip wollte ich mir einfach mal etwas Sinnfreies gönnen.“

Sich einfach mal was Sinnfreies gönnen, im Prinzip. Märchenhaftes Westfalen. Deine Philosophen. Und deine Reibekuchen.

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