Beppes Grillen

Bislang habe ich Beppe Grillo für einen zweitklassigen Komiker gehalten, über den ich auch nicht lachen konnte, als er mir mal seinen jüngsten Sohn als Generalsekretär der Fünfsternbewegung vorstellte (der verdatterte Kleine übrigens auch nicht).  Die „Bewegung“ selbst ist ja auch ein vollkommen humorfreier Verein der Wutbürger, Bußprediger und Rechthaber, eine Konstellation, gegen die ich leider allergisch bin. Im Gegensatz zu geschätzten 30 Prozent der Italiener, die Grillos Sterne ganz toll finden.

Vielleicht rührt meine Skepsis auch daher, dass die Grillini uns Auslandskorrespondenten gern unterstellen, wir würden nur die Regierungspresse abschreiben. Was soll das sein, die Regierungspresse, etwa die Gazzetta dello Sport? Nur weil wir es wagen, Grillo und seine Adepten zu kritisieren, heißt das nicht, dass wir nicht selbständig denken und schreiben können. Womöglich bedeutet es sogar das Gegenteil. Das gilt auch für Sportreporter!

Aber jetzt muss ich doch sagen: Complimenti, Signor Grillo, selten so gelacht.

Am Sonntag startet unser Mann über seinen Blog eine Abstimmung über den Ausstieg der Fünfsternbewegung aus der EFDD, der Fraktion der Eurogegner im Europaparlament. Bis dato bildeten die Grillini dort mit der Ukip des Brexit-Gentleman Nigel Farage den größten Block. Nun aber sah der Amateurpolitiker Grillo seine Fälle davonschwimmen. Wenn Ukip mit dem Brexit aus Straßburg auszieht, wo bleiben dann die Fünf Sterne? Also suchte er sich ein neues Zuhause, ausgerechnet bei den Europäischen Liberalen (ALDE). Die verkörpern so ziemlich das Gegenteil des Grillo-Vereins, weil sie erstens, klar, numal liberal sind, zweitens pro Euro, drittens auch noch pro Bürgerrechte und zwar für alle, auch für Andersgläubige. Die freie Marktwirtschaft finden die Liberalen auch gar nicht so schlecht, von Tauschwirtschaft oder Wiedereinführung des Dukaten als Währung (Fünfstern-Wahlkampfversprechen) halten sie hingegen nicht so viel.

Die Grillo-Basis stimmte mit ihrem Guru pro ALDE, aber ALDE stimmte am Montag gegen Grillo. Der erklärte daraufhin, wieder auf seinem Blog, er habe das Establishment zum Zittern gebracht. Aus lauter Angst vor den Fünf Sternen hätten die üblichen Strippenzieher der finsteren Mächte ALDE zu einem Rückzieher gebracht.

Das war schon mal ziemlich lustig. Aber am Dienstag nachmittag kam es dann noch besser. Grillo und sein Kompagnon Davide Casaleggio, der kein Politiker ist, sondern Inhaber einer Internetfirma in Mailand, klingelten via Skype bei Farage an. Entschuldigten sich. Und baten um Wiederaufnahme bei den Schmuddelkindern.

Ach, da hätte man gern Mäuschen gespielt. Nicht nur, weil das Englisch unseres Komikers schon ziemlich bühnenreif ist. Was er wohl gesagt hat? Sorry, nicht so gemeint, war nur ein Witz, vaffa?

Anyway, der lupenreine Demokrat Farage hat den italienischen Kollegen wieder aufgenommen. Und Grillo vollzog innerhalb weniger Stunden die Kehrtwende von der Kehrtwende. Auf seinem Blog verkündet er, dass die Fünf Sterne ein Referendum über den Euro anstreben, „falsche Flüchtlinge“ und Einwanderer ohne Papiere innerhalb weniger Tage ausweisen wollen und Russland als Wirtschaftspartner und Verbündeten im Kampf gegen den Terrorismus hochleben lassen.

 

Und das war’s dann auch schon mit lustig.

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