Tottis Kolosseum

Wenigstens der Fußball läuft richtig rund in Rom – zehn Tore der beiden Erstligaklubs an einem einzigen Spieltag verstärken dann doch irgendwie jene Vorfrühlingslüfte, die seit gestern durch die Stadt wehen. Gestern abend sicherte sich die Roma mit einem 4:0 gegen die Fiorentina den 2. Platz, zwei Treffer lieferte Edin Dzeko und schraubte die Zahl seiner Saisontore damit hoch auf 17. Die nächste gute Nachricht ist, dass Regierung und Polizei nach zwei Jahren jene Gitterabsperrung entfernen werden, die die Kurven im Olympiastadion zweigeteilt und die Fans in den Stadionboykott getrieben haben. Den Torreigen gegen die Florentiner sahen 24.000, eine vergleichsweise große Zahl (Lazio hält den Negativrekord von 1900 Zuschauern bei einem Pokal-Heimspiel), es war aber doch eben nur jeder dritte Platz im Stadion besetzt.

Was das Stadion angeht, kommt die Roma jetzt richtig in Wallung, keine Sekunde zu spät angesichts der Tatsache, dass bis zum 3. März das Projekt stehen muss. Seit Dezember 2012 spricht man von der Arena in Tor Di Valle am Tiberufer, leider entpuppte es sich zusehends als Fata Morgana. Anfangs waren die Besitzverhältnisse ungeklärt, dann kam der übliche bürokratische Schlendrian und im vergangenen Juni, mitten in der heißen Phase für die Baugenehmigungen kam dann der Machtwechsel auf dem Kapitol und mit ihm Bürgermeisterin Virginia Raggi von der Fünfsternbewegung.

Seither hat Raggi vor allem ihre bodenlose Unfähigkeit bewiesen, nichts rührt sich, nichts geht voran aber sie hat schon mal zwei Verfahren wegen Amtsmissbrauchs am Hals, während die Mitglieder ihrer Administration entweder verhaftet abtreten mussten oder zurücktraten. Die Fünf Sterne haben es nicht mit dem Fußball und mit großen Bauprojekten schon gar nicht. Raggis Bauassessor will das Stadion möglichst klein halten, die noch amtierende Bürgermeisterin selbst hat, wie so oft, eigentlich keine Position. Schade, denn dafür ist sie eigentlich gewählt worden: Einen Standpunkt zu vertreten, eigene politische Projekte durchzusetzen. In der Stadion-Frage hätte die Administration beweisen können, dass sie eine ökologische Stadtentwicklung vertritt. Tut sie nicht, weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Inkompetenz verursacht Totalblockade, das ist das Problem.

Immerhin hat man der Bürgermeisterin geflüstert, dass man sich in der Ewigen Stadt besser nicht gegen den Ewigen Kapitän Totti und dessen Verein stellt.

Seit Totti am Sonntag getwittert hat: „Wir wollen ein modernes Kolosseum, eine Avantgarde-Arena für unsere Tifosi und alle Sportsfreunde“, steht Raggi ein wenig unter Zugzwang. Neckisch flötete sie zurück: „Lieber Francesco Totti, wir arbeiten daran. Machen wir dieses Stadion und respektieren wir  dabei die Regeln“, als ob letzteres nicht eh klar wäre. Raggi, die übrigens Sympathien für Lazio hegt fügte hinzu: „Wir erwarten dich auf dem Kapitol, um darüber zu reden.“ Totti im Rathaus, das wäre für die angeschlagene Politik-Dilettantin ein Super-Fototermin gewesen.

Doch der Kapitän, ganz Profi, parierte routiniert die Charmeattacke der Polit-Amateurin : „Ich wäre glücklich, die Bürgermeisterin zu treffen, am besten, um gemeinsam auf den definitiven Abschluss für das Stadionprojekt anzustoßen. Persönlich hoffe ich nur, dass das Stadion so früh wie möglich gebaut wird, zum Wohle der Roma und der ganzen Stadt.“

Wer weiß, wie lange Raggi noch auf dem Kapitol im Sattel sitzt. Bis zum Ende der Fußballsaison, bis zum nächsten Derby, bis morgen?

Nur Totti ist in dieser Stadt so ewig wie die alten Steine.

Und das ist gut so.

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