La Viola

Die Fiorentina ist einer meiner italienischen Lieblingsklubs, weil sie erstens in lila spielt und zweitens auch in der 4. Liga ein fantastisches Publikum hatte, das unverdrossen auch gegen Gualdo Tadino Gesänge gegen Juventus anstimmte. Ob das auch in in Monkegladbacke geschah, weiß ich nicht.  Was die Borussia sonst noch erwartete, stand hier.  Wobei es ziemlich verwegen war, dass der Gladbacher Torwart heute als einziger Mann in violett spielte. Ja gibt’s am Niederrhein denn überhaupt keine Spezialisten der Spökenkiekerei? So darf man sein Schicksal nicht herausfordern. Nicht im Fußball. Und dann noch als Westfale wie Dieter Hecking. Also bitte, die Westfalen haben es doch erfunden! Wer im Trikot des Gegners spielt, erntet den bösen Blick und mindestens ein Gegentor.

Die Florentiner trugen rot und Bernardeschi, diese Renaissanceputte, hat mit links einen Freistoß wie aus dem Lehrbuch ins Tor gezirkelt. Das reichte ihm zum Sieg, obwohl die Gladbach wirklich fleißig attackierten. Aber mit dem Abschluss hatten sie es nicht so. Und Florenz ist eben doch eine italienische Mannschaft: Sie bewiesen, dass sie ein 1:0 fast so gut verwalten können wie der Erbfeind Juventus.

Einmal war ich in Florenz, als Giovanni Trapattoni dort trainierte. Es muss also 1999/2000 gewesen sein. Eine Woche zuvor hatte ich auf Drängen meiner italienischen Kollegen in der SZ gemutmaßt, dass Trapattoni schon seit Monaten nicht bezahlt worden war. Ich streute also brav das Gerücht und dann schrieben die Italiener es alle aus der SZ ab und nannten mich als Quelle. Tja, ich war ein blutiger, entsetzlich naiver Anfänger (es stimmte aber alles, der damalige Besitzer Vittorio Cecchi Gori war chronisch klamm und der AC Florenz zwei Jahre später pleite).

Der Klub beschwerte sich tatsächlich in München und ich wurde zur Büßertour nach Florenz zitiert. Dort schaute ich Trap beim Training zu, er zeigte bei weitem den stärksten Körpereinsatz. Als er fertig kam, trabte er auf mich zu, drohte mir scherzhaft mit dem Finger und rief: Birrrgit, was hast du bloß angestellt?! Das war’s schon mit den Vorwürfen. Der Präsident war sowieso abwesend und Trapattoni gab mir, weil ich halt schonmal da war, ein sehr lässiges Interview und stellte mir als Dreingabe mit großer Geste Gabriel Batistuta vor, die grünsten Augen im Weltfußball.

So lustig war das damals. Aber der Trap ist ja genauso geblieben und die Fiorentina eigentlich auch.

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