Gemütlich in Turin

Vor der Halbfinal-Hektik schnell noch ein Sprung ins schöne Juventus-Stadium, vielleicht der angenehmste Fußballort Italiens. Sogar zum Sonntagsabendmatch gegen den 50 Punkte weiter unten platzierten CFC Genoa ist es hier rappelvoll. Obwohl schon vorher klar war, dass das hier ein besseres Trainingsspiel wird, ohne Buffon und Chiellini, die braucht man schließlich  noch dringend für höhere Ziele. Egal, alle wollen dabei sein, wenn es gilt, in Erwartung noch größerer Wunder, schon mal den CL-Durchmarsch gegen Barcelona ein bisschen zu feiern.

Für Genua spielt übrigens Giovanni Simeone, der Sohn des Atletico-Trainers Diego. Ein klassischer Neuner, gewitzt und flink, aber Lichtjahre entfernt vom spritzigen Talent seines zwei Jahre älteren Landsmannes Dybala. Schon in der ersten Viertelstunde erweist sich, dass Genoa keine Chance haben wird. Sie mühen sich, sie wehren sich, aber Juve lässt sie bloß ein wenig zappeln. Lustig, wie das ganze Stadion die Handvoll Genueser Anhänger stramm auspfeift, wenn die es wagen, mal einen dünnen Sprechchor anzustimmen. 200 gegen 40.000, eine tolle Nummer.

Nach 17 Minuten wird ein Eigentor von Genus Munoz mit höflichem Beifall akzeptiert, aber so richtig rund geht es erst, als eine knappe Minute später ein echter Juve-Treffer folgt, dreist herausgeschlenzt von Dybala. Somit steht es 2:0 und die Juve erhebt fortan ein Prosit auf die Gemütlichkeit. Ein bisschen Kurzpassspiel hier, ein paar hübsche Flanken dort, die Harmlosigkeit des Gegners ist hinreichend bewiesen, nun muss man sich irgendwie die Zeit vertreiben. Natürlich, ohne sich übermäßig anzustrengen, das Leben wird in den nächsten Wochen ja noch stressig genug. Aber dann entfleucht Mandzukic kurz vor der Pause doch noch ein perfekter Flachschuss ins lange rechte Eck: 3:0. Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Offenbar war es völlig richtig, gegen Genua die Hintermannschaft zu schonen, weil die ja eh nicht zum Einsatz gekommen wäre, der Offensive hingegen eine so gut wie risikolose Galavorstellung zu gönnen. So wird auch Leo Bonucci belohnt, der ja eigentlich hinten zu tun haben könnte, aber aus lauter Langeweile in der 64. das 4:0 einschiebt.

Ganz ehrlich, für Nicht-Juventini ist so ein Match ohne nennenswerte Gegenwehr ziemlich langweilig. Zumal es keineswegs das erste ist. Rein statistisch müsste die ewige Juve-Heimspiel-Gewinnsträhne ja irgendwann mal abbrechen, aber das war hier schon die Nummer 33 in Serie und ein Ende ist nicht abzusehen.

Fünf Minuten vor Schluss erlaubt Allegri, dem 19-Jährigen Debütanten Rolando Mandragora, für Claudio Marchisio auf den Platz zu laufen. Der Junge soll sich halt auch ein amüsieren dürfen, ganz wie die Großen.

Kostet ja nichts.

 

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