Addio Valentino

Heute ist Valentino Parlato gestorben, einer der großen Alten Italiens, Journalist und „sein Leben lang Kommunist“, wie seine Zeitung „Il Manifesto“ ihn erinnert. Parlato wurde 1931 in Tripolis geboren und als 20jähriger aus Libyen vertrieben. Zu seinem Glück, wie er später gestand. Doch die Affinität zu Libyen blieb, er brachte neben Werken von Engels, Lenin, Gramsci auch eine Sammlung von Erzählungen des Oberst Gaddafi heraus. Das war noch sehr viel merkwürdiger als die Tatsache, dass Gaddafi Jahre lang Anteilseigner bei FIAT und auch bei Juventus war – letzteres nutzte er, um einen seinen Söhne in der Mannschaft unterzubringen. Das klappte nicht, Gaddafi jun. spielte stattdessen für den AC Perugia.

Valentino Parlato wurde 1969 aus der KPI geworfen, weil er die Partei dafür attackierte, dass sie den sowjetischen Einmarsch in der Tschechoslowakei nicht verdammt hatte. Heute wird, in der nostalgischen Verklärung des italienischen Kommunismus, oft vergessen, wie stalinistisch die Genossen waren. Parlato ging seinen eigenen Weg und die von ihm mit begründete Tageszeitung „Il Manifesto“ wurde zum Sprachrohr der Linksalternativen, als die TAZ noch als Quark im Schaufenster lag. Journalistisch galt das Blatt bald als anspruchsvoll – die Manifesto-Redakteurin Giuliana Sgrena etwa berichtete bis zu ihrer Entführung im Irak 2005 auch für die ZEIT über die muslimisch-iranische Welt und von verschiedenen Kriegsschauplätzen.

Inzwischen gibt es die KPI schon lange nicht mehr, und dem Manifesto geht es ziemlich schlecht. Ein Wunder, dass er überhaupt noch erscheint. Parlato hatte sich zuletzt von der Zeitung distanziert, wie das oft geschieht, wenn die Schöpfer ihre eigenen Geschöpfe nicht mehr verstehen.

Man traf ihn im Viertel, einen leise-ironischen, stets lässig-elegant gekleideten, zierlichen Signore. Wenn er einkaufen ging, orderte er alles von der Ladentür aus, damit er seine Zigarette nicht ausmachen musste. Parlato rauchte 80 Zigaretten am Tag und trank vom späten Vormittag an eigentlich nichts anderes als Weißwein. In Talkshows ging er nie, nur selten zu den Terrassenfesten der römischen Linken. Dann saß er meist als stiller Beobachter am Rande und sah seinen Rauchwolken nach.

parlato-al-manifesto

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s