Im Sommer

Es soll Leute geben, die im Sommer in den Urlaub fahren, an irgendeinen Strand oder in die Berge oder in ferne Städte. Ich nicht. Ich habe hier zu viel zu tun.

Wenn mich frühmorgens das fortissimo von Hähnen, Kantenschneidern und Traktoren , aus dem Schlaf reißt, muss der Rasen gesprengt werden und die Katzen gehören gefüttert. Bei allem hört man schon das Protestgeheul dieser lieben Gesellen:

 

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(Es sind noch drei mehr). Und das Protestgeheul sagt: Wieso kommen WIR nicht mal zuerst dran? Warum müssen wir IMMER warten, nur weil wir ESEL sind?!

Dabei ist das mit dem Warten relativ. Außerdem bekommen sie viel mehr Zeit. Schon deshalb, weil die Fliegen ihnen so zusetzen, dass jedes Eselbein einzeln mit einer Anti-Fliegen-Salbe eingerieben werden muss. Das Zeug kommt aus Amerika und ist so verteufelt teuer, weil es eigentlich für rassige Vollbluthengste gedacht ist, die bei irgendwelchen Wettbewerbe total gepflegte und formvollendete Beine zeigen sollen. Letztes Jahr hatte ich mal selbst eine Salbe zusammengerührt, nachdem mir ein netter Dörfler zwei Kilo Bienenwachs spendiert hatte. Darein ordentlich Citronella-Öl und Lavendel und siehe da, die Fliegen wurden ausgebremst. Aber die Eselbeine sahen aus wie Kerzen, das war mir dann doch ein bisschen unheimlich.

Die Viecher wären versorgt. Auf dem Rückweg zum Haus wartet aber schon die Marmelade:

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Das Tolle an Feigenbäumen ist, dass man sich sein Frühstück quasi pflücken kann. Das Unangenehme, dass ungefähr 20 Tonnen Früchte zur gleichen Zeit reif werden. Soll der Baum sich umsonst soviel Mühe gegeben haben? Soll er nicht.

Es sind übrigens zwei Bäume:

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Zwei Bäume, die zwei Mal im Jahr tragen. Stoisch. Immer. Der Aprikosenbaum ist wenigstens so zickig, dass er nur alle zwei Jahre trägt. Nett von ihm. Dieses Jahr war er voll. 22 Gläser Aprikosenmarmelade. Die Feigen…. nein, jetzt noch nicht dran denken. Vielleicht könnte ich ein paar trocknen? Eine nach Südtirol emigrierte Freundin hat mir ihre Dörrmaschine da gelassen. (Dass man Feigen in der Sonne trocknen kann, halte ich für ein Gerücht. 1,3 Milliarden Ameisen würden über sie herfallen. Und die kämen nicht aus China, sondern noch nicht mal aus dem Nachbardorf. Es wären garantiert Einheimische.)

Der Morgengang ist noch nicht beendet. Bitteschön, hier entlang.

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Und hier:

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Jaja, Tomaten gibt’s auch. Es ist herrlich. Es ist die Hölle. L’orto vuole l’uomo morto, sagen die Italiener: Der Gemüsegarten will den toten Mann. Stimmt nicht, er will die tote Frau. Beim Pflanzen, Hegen, Ernten. Und vor allem danach.

Aber ich will nicht klagen. Höchstens dilettantisch verbrämen, was doch die krasse Wahrheit ist: Das Leben auf dem Land in Italien ist überhaupt nicht schlecht. Es ist sogar ziemlich paradiesisch.

Zumal ich nach dem Frühstück schnell mal an den Strand fahren kann. Wozu ist man Sportreporterin?

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