Goethe und die Folgen

Der Spiegel macht ein Interview mit Petra Reski und Veit Heinichen, „den bekanntesten deutschen Autoren in Italien.“ Da ist unsereins erst mal überrascht, weil man von diesen Großkopfeten noch nie ein Buch gelesen hat. Von Frau Reski kenne ich immerhin ein paar Artikel. Also erstmal nachschlagen und finden: Aha, Krimis. Italienkrimis. Nun verhalten die sich ja zur Literatur wie ARD-Vorabendserien zur Filmkunst. Der Italienkrimi hat inzwischen jene spezifisch deutschen Italienschmöker abgelöst, die „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ heißen oder „Quattro Stagioni“ oder „Spaghetti im Rohbau.“ Vor Jahren habe ich zu diesem Thema mal einen Vortrag an der FU Berlin gehalten, nebenberuflich bin ich nämlich eine ebenso unerschrockene wie absolut erfolglose Kämpferin gegen das Italien-Klischee an und für sich. Der Italienkrimi also – es gibt, jetzt mal ohne Anspruch auf Vollständigkeit, inzwischen Kommissare am Gardasee, in Triest, sogar in Grado, natürlich in Venedig, Rom, Neapel, Palermo sowie Heerscharen von Ermittlern in der Toskana – besteht aus einem mehr oder weniger gelungenen Krimiplot mit italienischer Kulisse und lässig eingestreuten italienischen Begriffen. Versehen wird das Ganze mit Titeln wie „Tödliche Oliven“, „Intrigen am Lago Maggiore“ oder eben „Scherbengericht: Commissario Laurenti vergeht der Appetit.“ Letzterer ist das neue Werk von Veit Heinichen. Frau Reski kontert mit „Bei aller Liebe.“

Tja.

An dieser Stelle zunächst ein Versprechen: Nie, wirklich niemals werde ich mich dazu hinreißen lassen, einen italienischen Fußballkrimi zu basteln. (Gibt’s das schon? Na, bestimmt.) Und dann, ich kann’s nicht lassen, ein Literaturtipp. Wenn schon Italien und Mafia, wenn schon Plot mit starker Kulisse, dann doch bitte Roberto Saviano. Der bedeutendste italienische Schriftsteller lebt seit Jahren im Untergrund, verfolgt und bedroht von jenen Camorra-Bossen, die er in seinem Welterfolg „Gomorrha“ beschrieben hat. Saviano ist schwere Kost, seine Übersetzer sind nicht zu beneiden, denn er verfügt über eine sehr farbenreiche, geradezu barock mäandernde Sprache, mit der er den Schrecken in seiner Heimatstadt Neapel beschreibt. Meisterhaft tänzelt er auf der Grenze zwischen Journalismus und Literatur, Fakt und Fiktion.

 

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