Euro-Hakeln

Seit 15 Jahren gibt es jetzt den Euro, eine ganze Generation ist mit der Einheitswährung aufgewachsen und kein Mensch kann sich mehr vorstellen, zu den alten Länderwährungen zurück zu kehren (vorgesehen ist das eh nicht). Europa hat im Moment eine Menge anderer Probleme als das liebe Geld. Wie man jene Menschen aufnimmt und integriert, die aus anderen Kontinenten zu uns kommen wollen. Wie man als kontinentaler Global Player neben Wirtschaftsriesen wie China und Indien besteht. Und wie man Trumps Little America entgegen tritt.

Trotzdem wird natürlich über den Euro nachgedacht und wie eh und je hakt es dabei zwischen Norden und Süden. Am Dienstag, während Juve in Barcelona 0:3 verlor und die Roma gegen Atletico Madrid ein torloses Remis ermauerte, gab es in der römischen Residenz der deutschen Botschafterin Susanne Wasum-Rainer eine Debatte zum Thema Zukunft des Euro. Angetreten waren Clemens Fuest, Direktor des IFO-Instituts in München und Luca Paolazzi, Direktor des Studienzentrums beim Unternehmerverband Confindustria. Ich habe die Diskussion moderiert.

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Es war wie immer, wenn Deutsche und Italiener über Geld reden. Clemens Fuest zeigte anhand vieler Grafiken und Tabellen, dass die italienische Produktivität seit 1992 eingebrochen ist, die Jugendarbeitslosigkeit ebenso gestiegen wie die horrende Staatsverschuldung, während das Wachstum viel zu lange stagnierte. Nur das Privatvermögen der Italiener, das sei unverändert höher geblieben als das der Deutschen. Was eine Rolle spielen würde, falls Italien unter den Rettungsschirm schlüpfen müsse.

Nun, bislang hat Italien nicht nur kein Geld in Anspruch genommen, sondern fleißig an andere gezahlt. Dass die Italiener auf den ersten Blick „reicher“ sind als die Deutschen erklärt sich erstens daraus, dass hier 80 Prozent ihre eigene Wohnung haben und zweitens aus dem schwachen Staat: Wo das öffentliche Gesundheitssystem nicht funktioniert und die staatlichen Unis gut und gerne 4000 Euro Studiengebühren im Jahr kosten, wo es kein Kindergeld gibt und keine Arbeitslosenunterstützung (nur Kurzarbeitsgeld), da müssen Familien Rücklagen haben.

Das nur für den Hinterkopf. Aber es ist doch interessant, wie unweigerlich deutsche Ökonomen ihren italienischen Kollegen die Leviten lesen („unter Freunden“, wie Fuest beschwichtigte), auch beim Auswärtsspiel.

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Luca Paolazzi vom italienischen Unternehmerverband ließ das elegant an sich abgleiten. Schließlich haben wir im Moment keine Euro-Krise, dafür lösen sich in Frankreich die Volksparteien auf und in Italien könnten sich zu den Wahlen im Frühling 2018 die Anti-Euro-Populisten verbünden. Und dann Arrivederci Reformen.

Aber in der 1. Reihe geriet ein älterer Herr in Rage. Es war Mario Monti,  der frühere EU-Kommissar und italienische Ministerpräsident. Monti wollte es nun wirklich nicht auf sich sitzen lassen, dass Italien zu den Euro-Sündern gezählt wird. Und den Vorschlag des deutschen Professors Fuest, hochverschuldete Staaten könnten künftig einen Teil ihres Schuldenbergs über hochverzinste (und hochriskante) nachgeordnete Staatsanleihen finanzieren, bügelte er glatt ab. Das seien „Papiere für die Selbstgeißelung“.

Kurzum, in der Villa Almone war mehr los als im Olympiastadion. Es gab sogar noch eine Verlängerung. Über das Resultat kann ich mich nicht verbreiten. Als Spielleiterin war ich nämlich nicht ganz unparteiisch.

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