Der Spieler

Ich gehöre zu jenem verschwindend kleinen Personenkreis meiner Generation, an dem Boris Becker irgendwie vorbei gegangen ist. Ja, natürlich habe ich mitbekommen, dass er Wimbledon gewann, viel mehr aber auch nicht. Tennis war einfach nicht mein Ding, es lag außerhalb meiner Welt. Fußball interessierte mich mit 20 aber auch nicht, niemals wäre mir in den Sinn gekommen, dass ich mal als Sportschreiberin enden würde. Werde ich womöglich auch nicht.

Heute abend jedenfalls habe ich gebannt vor dieser sehr guten Reportage von Michael Wech und Hanns-Bruno Kammertöns gesessen, die die ARD dankenswerterweise auch für Auslandspublikum in ihrer Mediathek zeigt. Wie gesagt, ich war Becker gegenüber ganz unvoreingenommen, wenn auch nicht ganz an mir vorbeigegangen ist, dass ihn viele in Deutschland schlichtweg als erledigt betrachten. Und dann hat mich seine Geschichte doch sehr beeindruckt. Diese absolute Besessenheit, diese Selbstdisziplin, diese Kampfstärke. Der frühe Erfolg, das Reingeworfenwerden in die große Welt. Die manchmal grotesken Brüche in seiner Biografie, die Frauen, das Pokern, der Raubbau am eigenen Körper. Wirklich ein bemerkenswertes Epos. Und natürlich ist dieser Becker kein bisschen blöd, was ihn offenbar nicht davor gefeit hat, krachende Fehler zu begehen.

Trotzdem bleibt da etwas Beklemmendes: Ein Leben zu haben, was nicht ins Raster passt, das wird in Deutschland nicht gern gesehen. Man soll ein Superstar sein und gleichzeitig das Dasein eines Bankangestellten führen. Das ist das eine. Das andere sind die Bilder von einem früher so strahlend gut aussehenden und heute frühzeitig gealterten Mann, dessen Füße vom Tennis so kaputt sind, dass er kaum laufen kann.

Morgen, am 22. November wird Boris Becker 50. Da kann man ihm nur alles Gute wünschen.

 

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