Freibeuterschriften

Nein, hier kommt nichts von Pasolini, sondern die Sudelei eines italienischen Biedermeiers und Brandstifters, der, so ironisch kann das Leben sein, tatsächlich den Nachnamen Freibeuter trägt. Massimo Corsaro, 54, Steuerberater von Beruf, bezahlt vom italienischen Steuerzahler als langjähriger, parlamentarischer Hinterbänkler verschiedener ultrarechter Parteien, ist in den sozialen Netzwerken schon des öfteren auffällig geworden – jedenfalls auffälliger als in der Abgeordnetenkammer. Etwa durch die Bemerkung, auch minderjährige Huren seien  nun mal Huren.

Nach diesem Einstieg zur allgemeinen Beruhigung erst einmal ein Porträt dieses verkannten Soziologen:

corsaro

Eben. Kann man sich auch mit Hundekrawatte vorstellen, oder? Und bevor sich die geneigten LeserInnen fragen, was Signor Corsaro in der Fußballoper zu suchen hat, geht’s hier heiter weiter.

Unser Mann ist Juventus-Fan, so weit so unspektakulär. Juve hat am Mittwoch das Pokal-Viertelfinale im Derby gegen den Toro gewonnen, siehe oben. Und in Siegerlaune hat der Freibeuter mit dem Twitter-Profil „stramm rechts, eingefleischter Juventino, Liebhaber des guten Weins und Feind von politischer Korrektheit und Sozialismus“ dem flugs entlassenen Toro-Trainer Sinisa Mihajlovic noch eins draufgeben wollen.

„Mihajlovic ist ein Zigeuner, der eine Bande frustrierter Verlierer anführt“, zwitscherte der Korsar. Mit den Reaktionen hatte der Rechtsaußen offenbar nicht gerechnet. Seine Beleidigung löste eine Flut von Protesten aus, so dass der wackere Corsaro seinen rassistischen Tweet erst zurückzog und dann eine entlarvende Entschuldigung heuchelte: “ Ich entschuldige mich bei Herrn Mihajlovic, der durch meinen Fan-Tweet beleidigt wurde. Ich glaube, als Erster zu wissen, dass die Leidenschaft bei gewissen Sportereignissen zu irrationalen Auswüchsen führt.“ Einige Kommentare, fügte der Abgeordnete noch drohend hinzu, wolle er sich merken.

Fan-Tweet! Leidenschaft bei Sportereignissen! Man fasst es nicht. Nein, die italienische Politik muss weiß Gott nicht auf die Rückkehr von Berlusconi warten, um ihren redlich erworbenen Ruf als Bühne für faschistoide Wirrköpfe zu verteidigen. Zurücktreten muss Herr Corsaro nicht, das Parlament wurde eh gerade aufgelöst. Jede Wette, dass er am 4. März wieder gewählt wird, bekannt genug ist er ja jetzt.

Mihajlovic, selbst stramm rechts, aber weiß Gott kein zündelnder Biedermeier, will Corsaro verklagen. Dabei hat die Ehefrau des geschassten Toro-Trainers dem Fascho von der letzten Bank doch schon die Leviten gelesen: „Diese Ignoranten glauben, dass man ein Zigeuner ist, wenn man in Serbien geboren wurde. Seis drum, dann bist du eben mein Lieblings-Zigeuner.“

 

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