Welcher Fußball?

Seit zwei Monaten befindet sich Italiens Fußball in Schockstarre. Oder ist er gar schon richtig tot? Seit zwei Monaten gibt es keine Verbandsführung, keinen Nationaltrainer und keine Nationalmannschaft mehr. Irre!!! Aber natürlich hat dieser Wahnsinn Methode. Denn während gleich nach dem skandalösen Versagen in der WM-Qualifikation alle Zeichen auf Sturm, Revolte und Grunderneuerung standen, sind diese Empörung und der Drang zum Neuanfang jetzt schon wieder verpufft. Und jene Aussitzer, Mauschler und alten Säcke, die nach Lampedusas Motto, alles müsse sich ändern, damit alles so bleiben könne, wie es immer schon war, haben schon wieder Oberwasser.

Am 4. März wird ein neues italienisches Parlament gewählt. Und alles deutet darauf hin, als würde es auch hier am Schluss eine große Koalition geben. Und zwar, bitte anschnallen, aus Renzis PD und Berlusconis Forza Italia. Diese Konstellation würde in Brüssel und Berlin nicht nur geduldet, sondern sogar gewünscht – sofern die unberechenbaren Rechtsaußen von der Lega Nord nicht mit ins Boot stiegen, gegen die die Herren von der CSU wirken wie ein Männerchor der Herz-Jesu-Marxisten. Geduldet, ja erwünscht, weil Berlusconi selbst ja nicht in der neuen Regierung sein würde. Er darf nicht, als verurteilter Steuerbetrüger (dass er beim FC Bayern problemlos Präsident werden könnte, steht auf einem anderen Blatt).  Berlusconi bliebe im Hintergrund und alle wären zufrieden. Europa hat längst andere, neue, größere Probleme und außerdem agiert ja schon ein Forza-Italia-Mann zur allgemeinen Zufriedenheit als Präsident des Europaparlaments. Es gilt also nur, in Italien ein Vollchaos durch eine Regierung der Fünf Sterne zu verhindern. Berlusconi ist das kleinere Übel. Der ist ja noch nicht mal gegen den Euro, überhaupt ist er im Unterschied zu den Grillini extrem flexibel, kein bisschen ideologisch und schon gar nicht lustfeindlich. Besonders letzteres ist erwiesen.

So viel zum Treiben im Hintergrund. Der italienische Fußball wird nicht reformiert, weil man noch nicht weiß, welche Partei am 4. März gewinnen wird. Die Fünf Sterne lassen wir mal außen vor, die interessieren sich weder für Fußball, noch für Sportpolitik und schon gar nicht für die Nationalmannschaft. Wahrscheinlich würden sie überhaupt am liebsten das Profiwesen im Fußball abschaffen, weil sie gegen alles sind, was nur annähernd professionell ist, zum Beispiel bei der Müllabfuhr und im Journalismus. Unter den Fünf Sternen gäbe es allerhöchstens eine Squadra Azzurra der Amateure. Avanti Dilettanti!

 

 

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