Wie verhext!

In alten Mafia-Schinken wie der „Der Pate“ pflegten die Männer der Ehrenwerten Gesellschaft ihre Drohungen geschmackssicher an einem Pferdekopf oder an eine tote Ratte zu heften. Heute reicht für sowas ein Account beim sozialen Netzwerk Instagram: „In der Hoffnung, dass ihr morgen früh kaltgefroren seid und man für euren Abtransport Mahagonisärge braucht…“, stand in weißen Buchstaben auf schwarzem Grund auf der Seite des Fußballprofis Fabio Lucioni zu lesen. Und weiter: „Gute Nacht, ihr versteht schon, wer gemeint ist.“ Nun, viele der 8033 Follower hatten da zumindest spontan eine Idee.

Denn wenige Stunden zuvor war der Verteidiger Lucioni, 30 Jahre alt und Kapitän des Erstligisten Benevent, vom Antidoping-Gericht des Olympischen Komitees zu einem Jahr Sperre verurteilt worden. Bereits im September hatte man den Profi positiv auf das Steroid Clostebol getestet. Lucioni erhielt umgehend eine 90-Tages-Sperre, weil die Dopingrichter aber nicht rechtzeitig zu einem rechtskräftigen Urteil kamen, durfte er danach ein paar Spiele absolvieren. Spiele, in denen der Aufsteiger Benevent seine sensationelle Negativserie beendete.

Der Klub aus Kampanien hatte seit Saisonbeginn 14 Begegnungen in Serie verloren, eine derart hartnäckige Verteidigung der Nullpunkt-Position war einmalig in Europas Fußball-Landschaft. Zuletzt hatte Manchester United vor 88 Jahren schlappe 12 Niederlagen hintereinander geschafft. Bis Benevent kam, der Verein mit der reitenden Hexe im Wappen. Das 70 Kilometer nordöstlich von Neapel gelegene, uralte Städtchen gilt als Austragungsort der italienischen Walpurgisnacht. Am 3. Dezember hatte der Oberste Hexenrat offenbar den Zauberstab für Benevent geschwungen. Mit einem 2:2 gegen Milan wurde der erste Punkt erobert, der entscheidende Treffer kam von – Torwart Alberto Brignoli! Der Schlussmann als Torschütze: Abakadabra.

benevento

Auch Kapitän Lucioni kann ein Lied von finsteren Mächten singen. Er habe doch gar nicht gewusst, dass jenes Spray, mit dem der Vereinsarzt eine Zerrung behandelte, das Teufelszeug Clostebol enthalten habe. Allein der Dottore sei Schuld! Tatsächlich wurde dieser Fußball-Faust für vier Jahre gesperrt, kann also seine Zaubertränke so gut wie endgültig einpacken. Zu spät für den armen Lucioni, der laut klagte, er fühle sich um die Erfüllung seines Kindheitstraums betrogen. Endlich in der Serie A und nun das!

Als die Mahagonisärge von seiner Instagram-Seite grüßten, träumte der Fußballer schon wieder. Am Morgen ging er an den Computer und sah die Bescherung. „Erst Stunden später habe ich gemerkt, welche Sätze auf meinem Instagram-Account stehen“, schrieb er schnell. „Sie wurden sofort gelöscht. Ich entschuldige mich persönlich und lege Wert auf die Feststellung, dass der Account von Dritten betrieben wird.“ Von wem, traut man sich ja gar nicht zu fragen. Erst das Teufelszeug im Spray und dann die diabolischen Paten-Phantasien im Internet: Es ist doch wirklich wie verhext.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s