Das große Rutschen

Nichts hätte das alte Europa in diesem Moment nötiger als sozialdemokratische Politik. Vernünftige Leute, die das Soziale in die Politik zurückholen und endlich dafür sorgen, dass die fortschreitende Armut bekämpft wird und dass niemand mehr auf der Strecke bleibt, sondern mitgenommen wird. Sieben Millionen Hilfsempfänger nur in Deutschland sind eine ungeheure Zahl. Was sie an materiellen Zuwendungen bekommen, reicht hinten und vorn nicht. Vor allem aber fehlt die Perspektive auf eine bessere Zukunft.

In Italien sieht es nicht anders aus, nur schlimmer. Der Staat ist schwach, er hilft nicht. Die Schulden sind erdrückend. Und die Sozialdemokraten sehen sich, ähnlich wie in Deutschland, zu vielen Zwängen ausgeliefert. Sparen, sparen, sparen. Nichts umverteilen dürfen, weil die gesellschaftliche Macht jener, die das nicht wollen, als stärker empfunden wird.

Vielleicht hat die Sozialdemokratie sich selbst aufgegeben, bevor die Wähler sie aufgegeben haben. Wohin das führt, kann man in Italien sehen: Die Leute watschen die Reformer wegen ihrer Mutlosigkeit ab, um Rattenfängern hinterher zu rennen, die den Schneid haben, ihnen das Blaue vom Himmel zu versprechen. Im Kampf zwischen Irrationalität und Vernunft unterliegt das Rationale. Es ist zu mühsam, anzuerkennen, dass sich unsere Welt gerade drastisch verändert und wir diesen Veränderungen nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung begegnen können. Die Flüchtlingsströme werden nicht abreißen, sondern sich noch verstärken. Die Umweltprobleme lösen sich nicht von selbst auf, genauso wie die globale Konkurrenz auf den Arbeits-und Produktionsmärkten.

Die italienische Wutwahl für rechtsextreme Hetzer und realitätsferne Protestler ist ein Fanal. Im Nu kann sich die Stabilität eines der reichsten Länder der Welt ins Nichts auflösen. Wir werden in den nächsten Wochen erleben, was in Italien alles ins Rutschen kommt.

Auf Mist wachsen Blumen, heißt es in einem Song. Ich bin mir da nicht so sicher.

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