Così fan tutti

Es ist interessant, zu sehen, wie die Fünfsternbewegung ihre Entscheidung rechtfertigt, eine Vertraute von Silvio Berlusconi in das zweithöchste Amt im Staat gewählt zu haben: Sie tun einfach so, als sei gar nichts passiert. Und feiern, dass sie ihrerseits im dritthöchsten Amt einen der Ihren haben, den angeblich linksgerichteten Roberto Fico. Zum Präsidenten der Abgeordnetenkammer gewählt mit den Stimmen von Berlusconi und der rechtsextremen Lega.

Was sich in Italien vollzieht, ist Atem beraubender politischer Zynismus, der den Wählern als Aufbruch und Veränderung verkauft wird. Es offenbart sich die wahre Natur eines Populismus, der außer dem Streben an die Macht kein weiteres politisches Projekt hat. Heute verkünden die Fünfsterne tatsächlich mit Triumphgeheul das Ende von Silvio Berlusconi – weil sie jetzt mit der Lega das Heft in der Hand haben. Dabei ist diese Lega nicht nur mit Berlusconi verbündet, zumindest noch. Sie ist auch eindeutig rechtsextrem und rassistisch. Egal, Hauptsache, man kann sich die wichtigsten Posten im Land untereinander aufteilen.

Così fan tutti, so haben es bislang alle gemacht. So funktioniert Politik in Italien. Die Wähler werden es schon schlucken.

Die Fünf Sterne haben Stellung bezogen: Im Zweifel rechts. Denn rechts und links, so behaupten sie, seien ja ohnehin Kategorien von gestern. Und wenn es um die Macht geht, interessieren sie wirklich niemanden mehr.

Es wird nun interessant sein zu sehen, wie die neuen Männer (Frauen spielen keine Rolle) sich auf der internationalen Bühne bewegen. Werden sie wirklich starke Töne anschlagen, auf die Maastricht-Parameter pfeifen und Flüchtlinge abweisen? Oder werden sie klein beigeben und alle Verantwortung dafür auf Brüssel und Berlin abwälzen?

Vermutlich letzteres. Im Land selbst wird sich leider gar nichts mehr bewegen. Außer rückwärts mit Gebrüll. Die Berlusconi-Freundin Elisabetta Casellati, als neue Senatspräsidentin Nummer zwei im Staat, ist gegen die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. Ihr Vorgänger im Amt hatte als Staatsanwalt die Mafia bekämpft. Das sind so die Unterschiede.

 

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