Matera

Für die heutige Ausgabe des SZ-Magazins bin ich nach Matera gereist, die archaische Höhlenstadt in der Basilicata.

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Die Altstadt dort teilt sich in zwei Sassi (wörtlich Steine), ein riesiges Museum aus Höhlen, Häusern und Kirchen, verbunden durch Gassen, winzige Plätze und steile Treppen. Seit der Steinzeit haben die Menschen sich hier Wohnungen aus dem Fels geschlagen, um buchstäblich in den Leib der Erde zu ziehen. Das alte Matera ist eine Stadt wie ein riesiger Uterus, archaisch, und organisch: Mutter Erde, Vater Stein. Allerdings lebt kaum noch jemand in diesem einzigartigen Gebilde. 1954 verbot die italienische Regierung das Wohnen in den Sassi. Damals waren die Höhlen ein international berüchtigtes Schandmal für Italien, mit 18.000 Menschen, die auf engstem Raum gemeinsam mit ihren Tieren in großer Armut unter unerträglichen hygienischen Bedingungen lebten, nahezu ohne Licht und Luft, mit einem Loch im Boden als Klo.

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Viele machte das krank. Und als man aus den Statistiken lesen konnte, dass in Matera fast jedes zweite Neugeborene starb, da griff der Staat endlich ein. Die Höhlenmenschen wurden in neu gebaute Wohnviertel umgesiedelt, in Häuser mit Fenstern, fließendem Wasser, einer Heizung. Und mit Schatten spendenden Bäumen vor der Tür. Oberhalb der Höhlen wuchs Matera weiter, zu einer ganz normalen Stadt von 60.000 Einwohnern, mit bunten Fassaden, Schaufenstern und schmalen Straßen, in denen sich zur Rushhour am späten Nachmittag die Autos stauen.

In den Sassi wohnt so gut wie niemand mehr. Es gibt dort aber jede Menge Hotels, in denen die Touristen für ihre einfachen Höhlenzimmer eine Menge Geld zahlen. Und Restaurants und Künstlerwerkstätten. Außerdem tatsächlich das hier, immer dem Pfeil nachgehen!

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