Schlaglöcher

Auf der Via Salaria, einer der 2000-Jährigen Konsularstraßen von und nach Rom, ereignete sich gestern abend eine Premiere: Autofahrer blockierten die Straße aus Protest gegen die unzähligen Schlaglöcher. Seit Monaten muss man auf der Salaria Slalom um die Löcher fahren, aber anstatt auch nur eines zu flicken, hat die Stadtverwaltung einfach Tempo-30-Schilder aufgestellt, an einer Ausfallstraße. Überall in Rom häufen sich die Schlagloch-Unfälle, vor allem für Zweiradfahrer. Vor ein paar Tagen stieß ich in Tor Marancia, im Südosten der Stadt, auf diese Szene:

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Asphalt in der Straßenmitte gerissen, Straße gesperrt!

Natürlich sind die Schlaglöcher nur ein Fanal für den beklagenswerten Zustand der Stadt. Ist nunmal so, dass man den Zustand der Makroökonomie auch an den Straßen ablesen kann. Seit zwei Jahren wird Rom von den Fünf Sternen verwaltet, die bei Parlamentswahlen am 4. März stärkste Partei in Italien wurden. Ihr Stimmenverlust in der Hauptstadt war marginal.

Es handelt sich um eine Firmenpartei. Markenrechte und die Web-Plattform mit dem schönen Namen Rousseau, auf der die parteiinternen Abstimmungen stattfinden, gehören Davide Casaleggio, einem Mailänder Internet-Macher, der das kleine Unternehmen gemeinsam mit der Partei von seinem Vater geerbt hat. Casaleggio ist so etwas wie Berlusconi 4.0, der „politische Führer“ der Fünfsterne, Luigi Di Maio ist ihm ebenso verpflichtet wie die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi. Wer die Partei verlässt oder auch nur die Weisungen von oben nicht befolgt, muss mit einem Bußegld von 100.000 Euro rechnen, zu zahlen an – genau!

Am vergangenen Wochenende, bei einer Tagung in Norditalien, ließ Casaleggio junior einem akkreditierten Journalisten der Turiner Tageszeitung La Stampa den Zutritt verwehren, weil der Kollege einst kritisch über Casaleggio senior geschrieben hatte. „Ich fragte mich, ob mein Vater eine derart kleinliche Person wohl zu dieser Veranstaltung zugelassen hätte“, so Davide Casaleggio, „die Antwort war dann eindeutig.“ Und eindeutiger kann man auch das Verhältnis der Fünfsterne zur Pressefreiheit nicht darstellen.  Zu ihren publizistischen Lieblingszielscheiben gehört auch Roberto Saviano, der von der Camorra verfolgte Schriftsteller und Journalist, der im Untergrund leben muss. Mafiosi und Populisten vereint im Hass auf eine unabhängige Stimme.

Di Maio will Premier werden. Wochenlang sah es so aus, als könne ihm das im Verbund mit der rechtsextremen Lega auch gelingen. Schade nur, dass die Lega ein Wahlbündnis mit Berlusconi hat, also mit dem Erfinder der Firmenpartei, den Beppe Grillo und seine Adepten als „Psychozwerg“ verhöhnen und als Verkörperung von Korruption und Misswirtschaft verteufeln, was nicht ganz falsch ist. Lega ja, Berlusconi nein, verlangte Di Maio. Jetzt scheint es, als seien die „Verhandlungen“ gescheitert. Und die Fünfsterne signalisieren dem sozialdemokratischen PD, sie hätten, wörtlich, „das Kriegsbeil begraben.“

Von der Lega zum PD, um Inhalte geht es natürlich nicht. Welche auch? Das „Regierungsprogramm“ der Fünf Sterne ist ein gruseliges Konstrukt aus Esoterik und populistischem Wunschkonzert. Falls sie damit nicht durchkommen, wollen sie Neuwahlen.

Man weiß nicht, was man sich wünschen soll. Vielleicht dies: Erst mal die Schlaglöcher stopfen. Dann sehen wir weiter.

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