Avanti Popolo

Über Wochen hat Berlusconi sich geweigert, die mit ihm verbündete Lega für eine Regierung mit den Fünf Sternen freizugeben. Logisch, schließlich bildeten sie zusammen ein Wahlbündnis. Solche Bündnisse zwischen Parteien aus dem gleichen Lager werden in Italien seit vielen Jahren schon im Wahlkampf geschlossen, gemeinsam holt man halt mehr Prozente. Jetzt plötzlich macht Mr. B. einen Rückzieher: Er will sich angesichts einer Regierung aus Lega und Fünf Sternen schlicht enthalten. Also keine richtige Opposition, aber auch kein Mit-ins-Boot-Wollen – die Fünf Sterne lehnen das strikt ab.

Warum so plötzlich, fragt man sich. Ganz einfach: Staatspräsident Mattarella hat Neuwahlen an die Wand gemalt. Im Oktober, möglicherweise schon im Juli. Und bei Neuwahlen würden sich die Stimmen für Forza Italia, die im März bei 14 Prozent lagen, vermutlich halbieren. Zugunsten der Lega, deren rabiater Anführer Matteo Salvini Berlusconis designierter Erbe ist, ohne Fernsehsender, aber dafür mit stramm rechtem Programm.

Aber Berlusconi will sich nicht schon jetzt beerben lassen, Monate vor dem 82. Geburtstag. Also zieht er die Reißleine und rettet so seine Abgeordneten, die im Falle eines Sommervotums schneller wieder aus dem Parlament ausziehen müssten, als sie eingezogen sind. Sich selbst rettet er natürlich auch. Er darf als vorbestrafter Steuerbetrüger zwar sowieso nicht mehr ins Parlament aber hey, man wird noch von ihm hören. Spätestens, wenn es um Steuern und Migranten geht, braucht Salvini seine Stimmen. Dann wird aus der Nicht-Opposition ein bisschen Unterstützung.

Man kann sagen, was man will, aber der Mann ist ein Profi. Nolens volens hat er auch den Freunden vom sozialdemokratischen PD einen Gefallen getan, die nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht, jetzt aber ein wenig Zeit bekommen, um diesen Kopf eventuell wieder zu finden.

Bleibt die Frage: Wer regiert? Tja, da kann man sich auf irgendetwas zwischen Skandal und Satire gefasst machen. Die Fünf Sterne wollen das Grundeinkommen, die Lega die Einheitsssteuer von 15 Prozent. Die Grillo-Leute haben  Trump zugejubelt, die Lega mag Putin. Vom Euro halten sie beide eigentlich nichts und von Einmischungen aus Brüssel und Berlin noch viel weniger. In Straßburg sitzen die Sterne mit den Ukip-Leuten in einer Fraktion (das sind die Brexit-Freaks), die Lega mit Madame Le Pen.

Avanti Popolo! Wilde Zeiten brechen an. Ob es nach vorn oder stramm rückwärts geht, das wird sich bald herausstellen.

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