Woche 1

Matteo Salvini, Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident der Republik Italien, steigt in Brindisi aus dem Flugzeug und muss mit gemeinem Volk den Flughafenbus besteigen, der zum Terminal fährt. Das gemeine Volk stimmt, kaum wird es seiner ansichtig, eine Hymne der antifaschistischen Resistenza an: Bella ciao.

So ist die Stimmung hier. Täglich wird sie von Salvini weiter aufgeheizt. Seine Lega hat bei den Wahlen 17 Prozent geholt, er aber geriert sich als Nummer 1. Und die Medien tun alles, um diesen Eindruck zu verstärken. Salvini ist immer für eine Schlagzeile gut, Salvini ist der starke Mann. Über Giuseppe Conte, den eigentlichen „Premier“ redet schon kein Mensch mehr.

Salvini zur Flat-Tax, also der Einheitssteuer von 15 Prozent, die die Lega einführen will (aber gerade auf 2020 verschiebt): „Wer mehr verdient, kann auch mehr Steuern sparen, weil das der Allgemeinheit zugute kommt. Ist doch klar, der investiert das Gesparte oder konsumiert, kauft sich vielleicht früher ein neues Auto.“

Ist klar. In diesem Weltbild ist es natürlich der pure Irrsinn, Steuern für Geringverdiener zu senken, die sich von dem Gesparten dann allerhöchstens mal eine Pizza mehr leisten können.

Heute weiter: Die Wehrpflicht soll wieder eingeführt werden. Die Nato soll Italiens Grenzen am und im Mittelmeer verteidigen, „gegen die einzige Aggression, die gerade in Europa stattfindet. Eine Aggression gegen unser Land durch die Welle der Migration.“ Von wegen Ukraine! Asylsuchende sind für Herrn Salvini „Subjekte.“ Er will sie in Lager packen, die Tag und Nacht „abgeriegelt“ werden. Steifnackig haut Salvini einen nach dem anderen dieser menschenverachtenden Slogans heraus, dass es einem kalt über den Rücken läuft. Der Mann kennt keine Zweifel und keine Skrupel, das macht ihn so gefährlich. Wer soll ihn aufhalten? Sicher nicht der fade Giuseppe Conte.

Auf den Parkplätzen um die Supermärkte in unserem Teil von Umbrien sind in der ersten Woche der Rechtsregierung die jungen Afrikaner verschwunden, die die Einkaufstaschen in die Autos trugen und dafür die Münzen aus den Einkaufswagen als Taschengeld bekamen. Niemand mehr zu sehen.

Bella ciao.

 

 

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