Wen der Staat schützt

Roberto Saviano habe ich 2011 näher kennengelernt, als wir einmal über mehrere Monate gemeinsam eine Artikel-Serie für die ZEIT schrieben. Ich erinnere mich noch gut an die absolute Klaustrophobie, die mich überkam, wenn wir uns in irgendwelchen Wohnungen in Rom trafen. Roberto wurde in einem Polizeiwagen gebracht, seine Leibwache sicherte das Gebäude und stand dann, während wir drinnen arbeiteten, vor der Tür. In dieser Zeit erzählte er mir von seinem Leben: Kein Zuhause, keine Zeit allein, keine Freiheit. Ein Leben wie im Gefängnis, der Preis für seinen literarischen Welterfolg „Gomorrha.“

Bis heute muss Roberto Saviano so leben. Wie übrigens andere Journalisten auch – ich erinnere auch sehr gut ein Abendessen am Tiber unter der Engelsburg mit einer Kollegin, deren Leibwache die ganze Zeit um den Tisch stand. Der italienische Staat muss seine Journalisten und Literaten schützen, weil er es nicht schafft, der Mafia beizukommen. Denn darum geht es: Saviano wird nicht von Islamisten verfolgt, sondern von der neapolitanischen Camorra.

Jetzt will Innenminister Salvini ihm die Leibwache nicht länger zahlen, weil Saviano in Opposition zur Rechtsregierung ist. Mit anderen Worten: Ein Innenminister der Republik Italien droht einem Schriftsteller, ihn nicht länger gegen die Mafia zu schützen, nur weil er politisch anderer Meinung ist. Auch die Fünf Sterne versuchen seit Jahren, Saviano zu diskreditieren.

Man möchte kotzen. Aber das einzige, was hilft ist: kämpfen.

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