Allez Didi

An dieser Stelle eine kleine Vorbemerkung (und wenn sie sich wie eine Entschuldigung lesen sollte, wäre es auch in Ordnung): Dass ich mich langsam wie die Rolf Seelmann-Eggebert des FC Juventus fühle, hat rein gar nichts mit meinen persönlichen Vorlieben zu tun. Die gehören nämlich unverändert der Roma. Doch es stimmt schon, was der große italienische Fußballschreiber Gianni Brera formulierte, man muss die Juve nicht lieben, aber man sollte sie durchaus bewundern. Vor zwölf Jahren war der Klub total am Boden, erst acht Juventino im WM-Finale zwischen Frankreich und Italien, dann mit drei Weltmeistern im Kader (Buffon, Del Piero, Camoranesi) abgestiegen in die Serie B. Und jetzt wieder ganz obenauf. Nach zwei CL-Finalspielen in drei Jahren gerade den größten Star des Weltfußballs angeheuert (hier ein Link zu einem echten Kult-Interview von CR7 mit dem inzwischen amtierenden portugiesischen Präsidenten Marcelo Rebelo de Sousa, den Ronaldo höflich mit „Herr Professor“ anspricht), und dann ganz abgesehen von der Squadra Azzurra prominent im Finale in Russland vertreten, mit Matuidi, Mandzukic und Didier Deschamps.

Letzterer ist der Grund dafür, warum ich ganz unbedingt für Frankreich bin (der andere ist, dass mir die Kroaten mit ihrem rabiaten Nationalismus suspekt sind, weswegen die europäischen „Identitären“, natürlich auch unser Angstminister Salvini, für Kroatien sind). Deschamps hingegen:Der unprätenziöseste Mann der Fußballwelt. Very, very old school. Am 10. Juli 2006 wurde er Trainer von Juventus in ihrem ersten und einzigen Jahr in der Serie B.

Didier_Deschamps

Aus gegebenem Anlass also eine kleine Hommage aus „La Fidanzata“, von der es übrigens die nächste Auflage mit handschriftlicher Widmung der neuen Nummer 7 geben wird. Hat er jedenfalls versprochen.

DIDIER DESCHAMPS

Mittelfeld, geb. 1968 in Bayonne, Frankreich. Bei Juventus 1994-99, als Trainer 2006-07.

Als Spieler 226 Einsätze, 5 Tore,

3 Meistertitel, 1 Pokal, 1 Champions League, 1 Weltpokal

Der gallische Terrier. Kernig, kurzbeinig, geschätzte 48 Zähne, die sich an jedem Gegner festbissen. In seiner Juve-Zeit wurde der Franzose Deschamps Weltmeister, aber Champagner-Fußball war nun wirklich nie sein Ding. Eher die Abteilung ehrlicher Landwein, mit ein paar Umdrehungen zu viel. Und mit Struktur. Denn das war es, was den Spieler Deschamps ausmachte und den Trainer zum Erfolg führte: Der Mann ist einfach hervorragend strukturiert. Überlässt nichts dem Zufall. Nahm sich früher jeden Zweikampf vor und später genauso akribisch jede gegnerische Mannschaft. Unter Lippi dirigierte dieser Unermüdliche das Mittelfeld, umsichtig, konkret, ohne Schnörkel.

Im Moment der höchsten Not seines Ex-Vereins kehrte der Mann für’s Grobe zurück nach Turin. Deschamps war mittlerweile Trainer, er hatte vier Jahre bei AS Monace verbracht und übernahm nun Juventus in der zweiten Liga, mit 17 Straf-Minuspunkten. Ein rührender Akt der Treue, eine Geste der Ritterlichkeit. Mit Deschamps überstanden die Juventini ihr Büßerjahr glänzend und stiegen sofort wieder auf. Aber nun warf der Franzose hin – so sehr die Spieler ihm vertrauten, so wenig verstand er sich mit der Klubführung, der erstmals in der Geschichte ein Landsmann vorstand. Jean-Claude Blanc, ein Sportmanager aus den französischen Alpen, mit Harvard-Abschluss, ohne einen Hauch von Stallgeruch.

Jahre später, als Blanc, inzwischen Geschäftsführer bei Paris St. Germain und er wieder miteinander redeten, gestand Deschamps, er habe womöglich übereilt gehandelt. Ruppig und rustikal, wie es seine Art ist, hatte er den manikürten Juve-Manager in die Mangel genommen wie weiland seine Gegenspieler. Geschadet hatte es dem getreuen Musketier DD nicht, für ihn sprachen stets die Ergebnisse. Nach einer Station bei Olympique Marseille war er schon gallischer Nationaltrainer.

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