Bon alors

Man kann über dieses Finale wirklich nicht meckern, es war doch alles da: Ein Führungstreffer nach einem erschlichener Freistoß, ein VAR-Handelfmeter, aber auch noch jede Menge Tore aus dem Spiel heraus, ein Riesen-Torwartpatzer, Spannung, Dramatik, sowie tatsächlich die eine oder andere schöne Sache, l’art pour l’art, wie der Kroate sagt.

Davon abgesehen wird uns hoffentlich in Erinnerung bleiben, wie die Pussy Riots das Spielfeld stürmten (hoffentlich, weil es für die PR ziemlich schlecht wäre, wenn wir das schnell wieder vergäßen, sie haben nämlich mit der schon ab heute nacht sicherlich nicht sehr gastfreundlich aufgelegten russischen Justiz ohnehin schon ihre Probleme). Unvergesslich auch die Sache mit dem Regenschirm: Putin und sein Busenfreund Infantino werden eifertig beschirmt und beschützt, für Macron und die Freund und Feind niederherzende kroatische Präsidentin ist leider kein zweiter russischer Schirm aufzutreiben und sie werden pitschnass.

Die Welt zu Gast bei Freunden. Oder: Wie der von allen möglichen und unmöglichen Seiten als hervorragend bejubelte russische Organisation auf den allerletzten Zentimetern vor dem Ziel doch noch schlappmachte. Hauptsache, der Zar bleibt trocken, die Gäste sind wir eh bald los.

Was bei mir persönlich auch noch hängenbleibt: Die Frage nach dem Sinn von Live-Tickern auf den online-Seiten der Zeitungen. Ok, ist vermutlich eine Generationsfrage. Unsereins sieht halt fern, möglichst von Menschen umgeben, die während des Spiels nicht unnötig quatschen. Also eigentlich nur engste, allerengste Familie. Denn nichts ist schlimmer als fußballfernes Gequatsche während eines WM-Spiels. (Gilt, ehrlich gesagt, nicht nur für die WM).

Hat man was nicht gleich kapiert oder eine strittige Szene gesehen, ist so ein Live-Ticker aber auch ganz nützlich. Nein. Hier ist die Vergangenheit angebracht: In solchen Situationen war ein Live-Ticker mal sehr nützlich. Heute bieten diese Ticker nämlich flächendeckend fußballfernes Gequatsche, bei dem der Tickerer sich vornehmlich selbst darstellt. Ich und Paul Pogba. Ich und Luka Modric. Die Jungs da spielen zwar Fußball um den Weltpokal aber so richtig lustig ist es nur hier bei mir.

Der eine arbeitet sich während des WM-Finals am ZDF-Kommentator Bela Rethy ab – also wirklich der einsame Gequatsche-Gipfel: Ich bespreche nicht das Spiel selbst, sondern denjenigen, der im Fernsehen das Spiel bespricht. Der andere blendet gern die Simpsons ein. Das scheint mir alles eine ziemliche deutsche Spezialität des calcio parlato zu sein.

Wie gesagt: Vermutlich bin ich einfach eine hoffnungslose old-fashioned Lady und Fußball-modetechnisch einfach nicht auf dem neuesten Stand. Deshalb blieb mir heute zum Nachgucken nur der namenlose, angenehm knochentrockene Tickerer der FAZ.

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