Im Dadaisten-Kreisverkehr

Von allen Ministern im Raritätenkabinett des angeblichen italienischen Regierungschefs Giuseppe Conte ist mir Verkehrs- und Infrastrukturminister Danilo Toninelli der liebste. Entwaffnend in seiner grenzenlosen Ahnungslosigkeit, offenbart dieser 44-Jährige Jurist aus der Lombardei immer wieder seine blühende Phantasie. Keine Frage, aus Toninelli hätte noch was werden können – was richtiges, meine ich. Welcher kleine Junge hat denn schon „Verkehrsminister“ als Traumberuf? Wahrscheinlich wäre auch Danilo, der lustige Lockenkopf, lieber Disjockey geworden, Frisör oder wenigstens Sportreporter. Tätigkeiten, die Spaß machen und bereiten, ohne gesellschaftlich allzu wichtig zu sein.

Heute lachte wieder mal halb Italien über Toninelli (nicht seine Partei, die famose Fünfsternbewegung, denn die geht ja längst zum Lachen in den Keller), weil er sich gegenüber der EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc wie folgt über den Brenner-Tunnel verbreitete: „Ich habe gerade sehr gründlich ein Dossier studiert, das ich für sehr wichtig halte. Es geht um den Brenner-Tunnel. Ihr wisst, wie viele italienische Unternehmer diesen Tunnel nutzen, und zwar vor allem mit Lastwagen.“

Tja.

Der Brennerbasistunnel ist ein italienisch-österreichisches Gemeinschaftsprojekt. Es handelt sich um einen EISENBAHNTUNNEL unter dem Brennerpass. Geplante Fertigstellung Ende 2025. Italienische Lastwagen fahren deshalb logischerweise nicht durch den Tunnel und werden es auch nach dessen Fertigstellung nicht tun. Sie fahren über die Brenner-Autobahn.

Okay, muss man nicht unbedingt wissen als INFRASTRUKTURMINISTER.

Toninelli ist halt nicht der Mann für dröge Fakten. Grau ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum! Deshalb hatte er auch eine ganz tolle Idee für die neue Brücke, die an Stelle des eingestürzten Bauwerks in Genua treten soll – irgendwann und irgendwie, wenn die Regierung endlich anfängt, sich um Italiens wichtigste Hafenstadt zu kümmern, in der seit zwei Monaten unter anderem der Verkehr still steht. Er stelle sich ja eine ganz tolle, neue Brücke vor, erklärte der Minister, viel, viel schöner als die alte: „Unser Ziel ist, einen lebendigen Ort zu schaffen, an dem Menschen sich begegnen, an dem Menschen spielen und essen können.“

Die eingestürzte Brücke war eine AUTOBAHNBRÜCKE 45 Meter über dem Boden. Mehr noch, sie war DIE Autobahnbrücke von Genua.

Aber wie sagte mir einst Beppe Grillo, der Gründer und Chefkomiker der Fünf Sterne? „Signora, wir brauchen doch gar keine Hochgeschwindigkeitstrassen und Schnellstraßen mehr. Nur noch Datenautobahnen.“

Auf letzteren übrigens kann man auch ganz toll picknicken.

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