Für Giuseppe

Heute vor einem Jahr starb in Crotone Giuseppe Parretta, Sohn der Antimafia-Aktivistin Katia Villirillo. Er wurde 18 Jahre alt. Wenige Stunden vor seinem Tod hatte seine Mutter ihm ein neues Motorrad geschenkt, versehen mit den üblichen, mütterlichen Ermahnungen. Fahre nicht zu schnell, pass‘ auf dich auf, vor allem auf die anderen.

Giuseppe wurde erschossen, weil sein Mörder Salvatore Gerace ihn für einen Polizeispitzel hielt. Gerace handelte mit Drogen. Er fühlte sich von dem jungen Mann beobachtet, der dauernd vor seinem Haus vorbeiging und gleich nebenan die Räume einer ehrenamtlichen Organisation betrat. Der Verein heißt „Libere Donne“, freie Frauen. Katia Villirillo ist die Gründerin und Vorsitzende. Sie kümmert sich um Frauen, die Opfer männlicher Gewalt werden.

Gerace konnte sich nicht vorstellen, dass ein Mann mit diesem Verein etwas zu tun haben wollte. Er schoss, als Giuseppe wieder einmal seine Mutter besuchte. Und Giuseppe starb in Katias Armen. Zu seiner Beerdigung kam halb Crotone, die Leute waren schockiert und empört. Jetzt, da ein Jahr vergangen ist, ist Katia mit ihrem Schmerz allein.

Sie fühlt sich verlassen, von allen, auch vom Staat. All‘ die Versprechen, ihr mehr Sicherheit zu garantieren, damit sie weiter machen kann mit ihrem Verein, wurden nicht erfüllt. Noch nicht einmal ein paar Videokameras, zur Kontrolle., zu schweigen von neuen Räumlichkeiten, weit weg vom Ort des Verbrechens. Katia macht dort, wo ihr Kind ermordet wurde, weiter mit ihrem Einsatz für die Frauen von Crotone.

Mutterseelenallein.

Im Süden Italiens ist so etwas zum Glück nicht mehr an der Tagesordnung. Aber es ist immer noch möglich, dass eine Gesellschaft und ihre politische Kaste zur Tagesordnung übergeht, nachdem eine Mutter ihren Sohn verloren hat, weil er die Wege eines Kriminellen kreuzte. Garace ist kein Mafia-Pate, nur einer von vielen, die für die ‚Ndrangheta Drogen verkaufen. Ein kleiner Mitläufer, der das größte denkbare Verbrechen begeht. Das Leben eines jungen Menschen auszulöschen, einer Mutter ihr Kind zu nehmen.

Katia Villirillo hat vielen Frauen geholfen, die Opfer von brutalen Männern wie Salvatore Gerace wurden. Ihren eigenen Sohn konnte sie nicht schützen. Sie sagt, dass sie weiter macht, weil sie das Giuseppe versprochen hat

 

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