Zwei Meilen bis zum Hafen. Oder 2000.

Die Sea Watch liegt zwei Meilen vor Syrakus, mit 47 Flüchtlingen an Bord, die seit einer Woche unterwegs sind. Heftiger Wind und meterhohe Wellen haben den Rettern keine andere Wahl gelassen, als den nächsten, sicheren Hafen anzusteuern. Und der liegt in Italien, wo auf Anordnung der Regierung keine von NGOs geretteten Flüchtlinge mehr an Land gehen dürfen. Die Bürgermeister von Syrakus und Lampedusa haben sich bereit erklärt, die Schiffbrüchigen aufzunehmen. Die Staatsanwaltschaft Catania hat die Regierung aufgefordert, unverzüglich die acht unbegleiteten Minderjährigen von Bord gehen zu lassen.

Weil das Schiff unter niederländischer Flagge fährt, verlangt Arbeitsminister Di Maio (Fünf Sterne) von den Niederlanden, die Passagiere aufzunehmen. „Sollen sie Rotterdam oder Hamburg anlaufen, aber nicht Italien“, sagt Innenminister Salvini (Lega).

Man wünscht sich, dass aus Rotterdam oder Hamburg geantwortet wird: 47 Menschen? Bitte, wo ist das Problem? Natürlich können die zu uns kommen.

Aber es rührt sich nichts. Im Januar 2019 streitet sich Europa über 47 Männer, Frauen und Kinder, die Zuflucht auf unserem reichen Kontinent suchen.

Die zuständigen Politiker tun so, als kämen, wenn man diese Hilfebedürftigen aufnähme, morgen 47 Millionen. Aber das stimmt nicht. Bei der Seenotrettung gibt es keine Präzedenzfälle, und bei Menschenrechten übrigens auch nicht. Umgekehrt gilt: Wer die simpelsten Regeln der Zivilisation missachtet, dem ist eigentlich alles zuzutrauen.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s