Live von der Ultras-Front

In wenigen Minuten wird hier in Rom das Pokalfinale Lazio-Atalanta angepfiffen und eigentlich hätte man allen Grund, sich auf ein zur Abwechslung wirklich spannendes, italienisches Fußballspiel zu freuen. Ein Pokalfinale zwischen Außenseitern – Lazio hat zuletzt 2013 gewonnen, Atalanta 1963! – die keinen Weltklasse-Fußball spielen aber doch verlässlich immer wieder schöne Offensivaktionen zeigen. Kurzum, die ganze Vitalität der Provinz!

Schade nur, dass das Gelände um das Olympiastadion, wo in diesen Tagen auch das Tennisturnier Italien Open stattfindet, aussieht wie ein Schlachtfeld. Und noch schlimmer, dass es hier tatsächlich eine Schlacht gegeben hat, zwischen Lazio-Hooligans (so genannten Ultras) und der Polizei. Das Irrste: Man konnte sie live verfolgen, auf den Websites der Repubblica und der Gazzetta. Das große Spektakel der Schlacht vor dem Pokalfinale, gemütlich vom Sofa zu Hause oder auch direkt aus dem Olympiastadion.

Schwarz vermummte Lazio-„Ultras“ warfen da Feuerwerkskörper und jede Menge Flaschen auf Polizisten mit Schutzschild, Helmen und Schlagstöcken. Das Gebrüll, das Geklirr der zerberstenden Flaschen, aber auch die Hustenanfälle waren deutlich zu hören. Einmal flog eine Flasche nur knapp am Kameramann der Gazzetta vorbei, der, verständlich, lauthals fluchte. Man konnte sehen, wie die Laziali Stühle aus einer Bar lancierten, auch Straßenschilder. Irgendwann brannte ein Polizeiauto. Zwei Polizisten hatten sich in Panik vor den Schlägern in den Wagen geflüchtet, der mit einem Feuerwerkskörper in Brand gesteckt wurde.

Das alles war, wie gesagt, live zu sehen, stundenlang. Warum nur? Zur Abschreckung? Zur Warnung? Oder – die Repubblica hatte tatsächlich Werbung vorgeschaltet – zur Unterhaltung?

So oder so, das Limit der Gewalt und ihrer Banalisierung ist schon längst überschritten. Angeblich waren im Vorfeld des Pokalfinals 20.000 Polizisten abkommandiert zu Kontrollen in ganz Italien.

Vier römische Legionen. Faktisch die Hälfte der Rheinarmee des Augustus.

 

 

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