Triumph des Rattenfängers

Eine russische Ikone, ein Putin-Foto, eine Baseball-Kappe aus der letzten Trump-Kampagne und ein Porträt von Franco Baresi: Vor dieser Kulisse offenbar aus seiner privaten Wohnung dankt Matteo Salvini seinen Wählern. Berlusconi ließ sich noch vor einer Bücherwand filmen, der neue „Capitano“ der Rechten zeigt keine Bücher. Wäre kontraproduktiv für einen, der gegen Intellektuelle hetzt. Bücher sind zudem Zeitverschwendung im Zeitalter des Digitalfaschismus.

Salvinis Triumph kommt nicht überraschend. Der Hetzer vom rechten Rand hat schlicht jene 35 Prozent hinter sich gebracht, die seit vielen Jahren immer wieder neuen Rattenfängern hinter her laufen. Berlusconi in primis, dann, vor erst 14 Monaten, die Grillo-Bewegung, schließlich Salvini. Eine große Masse von Italienern schenkt ihr Vertrauen und ihre Stimme Männern, die ihnen das Blaue vom Himmel versprechen, vor allem aber, sie zu „verteidigen.“ Gegen die Kommunisten (Berlusconi), gegen die Kaste (Grillo), nunmehr gegen Migranten, Brüssel-Bürokraten und Gutmenschen, um Salvinis Wahlslogan zu zitieren. Nein, Renzi gehört nicht in diese Abfolge von Populisten. Der PD bekam vor vier Jahren sagenhafte 41 Prozent, weil er nach dem Abtreten der Spar-Bürokraten um Monti auf einer Aufschwungwelle ritt, die mit jener vergleichbar ist, die Macron in den Elysée-Palast getragen hat.

Von diesem Auftrieb ist nichts mehr zu spüren. Die Stimmung schwankt zwischen Depression und Aggression. Es wäre zu einfach, die von der EU verordnete Sparpolitik oder das Desaster der europäischen Flüchtlingspolitik dafür verantwortlich zu machen. Beides hat nur dazu beigetragen, jene Probleme, die in Italien seit Jahrzehnten nicht bekämpft werden, weiter zu vergrößern – nämlich die Verschwendung öffentlicher Gelder und die Misere des Südens.

Salvini gelingt es, aus der Verzweiflung Profit zu schlagen, vor allem aber aus dem Zynismus derjenigen, die sich einen Dreck um die Not der anderen scheren. Wie sonst ist es möglich, dass dieser Hetzer im reichen Norden des Landes gut 40 Prozent der Stimmen bekommt? Von jenem Teil Italiens, der mehr als die anderen von Europa profitiert und von Unternehmern, die dringend auf die Arbeitskraft von Migranten angewiesen sind. Diese Leute wollen kein besseres Europa. Sie interessieren sich nicht für Klimaschutz, bessere Ausbildung und stärkere Universitäten.

Es ist kein Zufall, dass die Italiener im Ausland vollkommen konträr zu denen im Inland gewählt haben. Bei ihnen ist der PD mit über 32 Prozent die stärkste Partei, die Lega kommt auf 18 Prozent. Im Ausland befindet sich nämlich jene Bildungselite des Landes, die zu Hause keine Zukunft hat. Und die sich Brüssel und seinen Bürokraten näher fühlt als Moskau und Putins Agenten.

 

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