Bin auch im Garten

Das Gärtnern und noch mehr das Darüber-Schreiben sind ja im Moment in Deutschland sehr in. Eine richtige Mode, an der es überhaupt nichts auszusetzen gibt. Die von mir geschätzte Meike Winnemuth hat zum Beispiel einen Bestseller darüber geschrieben, dass sie jetzt auch im Garten ist. Gelesen habe ich das Buch nicht, weil ich erstens selbst sehr viel im Garten bin und zweitens auch gerade wieder ein Buch schreibe, aber nicht darüber, dass ich im Garten bin. Hier kann man den Garten von Frau Winnemuth sehen und zuhören, wie sie gewohnt klug darüber spricht. Interessanterweise glaubt sie, dass sie durch das Gärtnern besser schreibt. Klingt beneidenswert effizient, da kann ich leider nicht mit dienen.

Nach der langen Vorrede geht es jetzt aber auch los in den Garten. Meiner besteht seit fast 20 Jahren, ist also schon ziemlich old-fashioned. Seit knapp drei Jahren besteht Gemüse-Selbstversorgung, wobei ich im Februar/März meistens doch zukaufen muss, weil dann alles abgeerntet ist. Jedes Mal nehme ich mir dann vor, aufzuhören mit dem Gemüseanbau. Zuviel Arbeit, zuviel Aufwand, beides macht das selbstgezogene Zeug am Ende viel teurer als das Marktgemüse (im Supermarkt kaufe ich nur im Zustand äußerster Faulheit).

Aber dann geht’s doch weiter. Auch, und das ist der wichtigste Grund, weil ich nicht allein wirtschafte. Mein Mit-Gärtner ist Surinder, ein Inder aus dem Norden. Wir haben eine Art solidarischen Wettstreit um die besten Tomaten und Kohlköpfe, das spornt ungeheuer an. Wobei er findet, dass ich es mit den Tomaten übertreibe, während ich seine Fixierung auf Blumenkohl zu einseitig finde. Er hat das Prinzip viele Pflanzen und wenig Sorten, bei mir ist es umgekehrt. Die Fläche haben wir brüderlich untereinander aufgeteilt, wobei ihm die Zäune für seine gewaltigen indischen Rank-Gurken gehören.

So sieht das Ende Oktober aus:

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Das im Vordergrund vor dem ersten Zaun sind Cime di Rapa, die es mittlerweile auch in Deutschland gibt. Kann man zwei, dreimal abschneiden im Laufe des Winters.

Hier sieht man rechts hinten die wundersam wuchernde indische Bittergurke. Davor Fenchel, weißen Radicchio, Endivien, Weißkohl und umbrische Broccoletti (kleiner Kohl), von dem die Knospen und die Blätter gegessen werden.

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Meine absolute Winterdroge ist der klassisch-rote Radicchio. Roh, gegrillt, gebraten, als Gemüse, Salat, im Risotto und mit Walnüssen als Pesto zur Pasta:

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Aber der braucht noch ein wenig. Genau wie die Kohlköpfe und der Broccoli.

Dieses Jahr gibt es auch Rotkohl, obwohl mir der viel zu viel frisst (Eselsdung, etwas anderes steht für meine Pflanzen nicht auf dem Menü) und ich ihn eigentlich auch nicht besonders mag. Eingezogen ist er nach einer absurden, aber auch sehr lustigen Diskussion mit Angela, die im Nachbardorf eine Eisenwarenhandlung betreibt, in der auch Gemüse-Pflänzchen verkauft werden. Ich fragte sie nach dem toskanischen Schwarzkohl, der mir im letzten Jahr so gut geschmeckt hatte. Angela zeigte auf Rotkohlpflänzchen.

Das ist Rotkohl, sagte ich.

Das ist Cavolo nero, sagte sie. Dutzende von Leuten haben den schon gekauft.

Aber die Blätter sind glatt und rund, wandte ich ein. Schwarzkohl-Blätter sind lang und gekraust.

Kann nicht sein, antwortete sie. Weil das hier nämlich die Blätter vom Schwarzkohl sind.

Ich kaufe seit Ewigkeiten alles bei Angela. Maschendraht. Zaunpfähle. Astscheren. Spritzdüsen. Blumentöpfe. Dünger für die Zitrusfrüchte (speziell). Gummistiefel, Marmeladengläser und -deckel, Kaninchenfutter (als Leckerchen für die Esel).

Außerdem ist Angela sowieso toll. Sie ist Geschäftsfrau und Großmutter und wenn sie Seile am Stück verkauft, benutzt sie als exaktes Metermaß den ausgestreckten Arm. Zu ihren ewigen Jeans mit Pulli trägt sie gern lackierte Nägel und für’s Grobe kommandiert sie ihren Mann und zwei erwachsene Söhne.

Also nahm ich den Rotkohl und beschloss, ihr nur auf Nachfrage den Foto-Beweis vom echten Schwarzkohl zu erbringen. Aber den Schwarzkohl habe ich dann nirgends gefunden.

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Naja, wenigstens sieht er nett aus. Aber wirklich sensationell sind die Paprika und Auberginen. Fette Sträucher, um diese Jahreszeit!DSC_0314

Nicht im Bild: Zwiebeln, Rucola, Blattsalate, Radieschen, Surinders riesige Kresse- und Kleebeete und Kürbisse. Auch nicht im Bild – der Kräutergarten. Erst recht nicht im Bild: Die beiden Gärtner. Übrigens ist der Garten jetzt im Herbst sehr viel angenehmer als im Sommer. Alles wächst langsamer, auch das Unkraut. Man muss  sehr viel weniger gießen und sehr viel später dafür aufstehen. Im Juli-August geht hier nach 6 Uhr morgens nämlich nicht mehr viel. Dafür kämpft man gegen Heerscharen von Schädlingen, die jetzt auch seltener auftreten. Ameisen zum Beispiel geben endlich Ruhe. Ebenfalls die Stinkwanzen, die alljährlich unsere Tomaten heimsuchen.

 

Schädlingsbekämpfung ist – logisch – das Unappetitlichste. Im Grunde hilft gar nichts. Die sind einfach stärker als wir.

Zum Abschluss noch das große Herbstdessert. Wächst von ganz allein, ist ungeheuer süß und schmeckt am allerbesten direkt vom Baum.

Khaki. Die Dattelpflaume. Und damit zurück zum Schreibtisch.

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