Freitag der 13., Regen

So trist ist heute morgen der Blick über den größten Platz von Rom. Die Baustelle unten besteht seit April, denn der kleine Park in der Mitte soll neugestaltet werden. Das wird wohl noch eine Weile dauern, mindestens bis zum Ende des Winters.

Heute geht natürlich gar nichts. Denn heute herrscht Alarmzustand. Am Nachmittag sollen Stürme aufziehen, weswegen die Stadtverwaltung vorsorglich die Schulen geschlossen hat. Wegen der Gefahr durch umstürzende Bäume. Und die ist, Entschuldigung für den blöden Kalauer, tatsächlich nicht aus der Luft gegriffen. Weil viele Jahre lang keine ordentliche Baumpflege betrieben wurde (und sich die jetzige Fünf-Sterne-Verwaltung das schon mal gar nicht leisten kann), knicken Roms Straßenbäume im Starkregen und Sturm um wie Streichhölzer. Es ist, wie in Venedig und anderswo, eine ungünstige Verquickung von mangelnder Sorgfalt durch gleichgültige oder ignorante Politiker und verstärkten Problemen durch den Klimawandel.

 

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Aber man soll auch an einem Freitag, dem 13., inklusive triumphalem Wahlsieg von Dandy Johnson, nicht in Trübsinn versinken. Gestern noch fiel mir auf einem Spaziergang durch das Viertel eine sehr positive Änderung auf. Dieselbe Stadtverwaltung, die seit drei Jahren einen Patzer nach dem anderen macht und Rom im Müll- und Verkehrschaos versinken lässt, ist auch die erste seit Jahrzehnten, die Neofaschisten in ihre Schranken weist. Dieser absolut illegale Verschlag in den Ruinen der Trajanstermen wurde seit Kriegsende (!) von Mussolini-Nostalgikern besetzt und zuletzt von der rechtsextremen Partei „Fratelli d’Italia“ als „Büro“ benutzt.

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Nota bene: Mitten in einer archäologischen Stätte, nur ein paar Meter von Neros Domus Aurea und dem Kolosseum entfernt. Für die Faschos ein gefundenes Fressen, weil die ja meinen, sie stammten in direkter Linie von Augustus ab (weniger von Trajan, der war Ausländer, aus Spanien) und schwer einen auf altes Rom machen. Der Begriff Faschismus bezieht sich ja auch darauf.

Es ist unglaublich, dass diese bizarre „Hausbesetzung“ über Jahrzehnte einfach geduldet wurde. Ich habe mal versucht, herauszufinden, warum und entsprechende Anfragen an die Kulturaufsicht geschickt. Natürlich nie eine Antwort. Und jetzt, endlich: Ende, aus, alles verrammelt und verriegelt.

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Das Parteisymbol auf der Tür ist immerhin schon unkenntlich gemacht. Nur die Trikolore-Türen müssten weg, wie es innen aussieht, will ich mir erst gar nicht ausmalen. Aber immerhin, der erste Schritt ist getan. Und deshalb ganz schnell noch ein Bild von meinem Platz, wenn er gerade nicht im Regen versinkt.

Wie am Abend des 11. Dezember.

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