Italien-Corona 1:7

Das soll hier natürlich kein Corona-Blog werden, schließlich ist Italien mehr, viel mehr als ein Virus! Aber es ist wirklich ganz interessant zu sehen, was so eine Mords-Grippe innerhalb von einer Woche anrichten kann, ganz abgesehen von 650 positiv getesteten Menschen (Angabe Zivilschutz), die vielleicht auch nur 282 sind (Angabe zentrales Gesundheitsamt), von 17 Todesopfern (Angabe beide) und 45 Geheilten (dito).

Die Zahlenverwirrung zeigt schon: man ist sich über so gut wie nichts einig. Was man ja durchaus als Zeichen der Gesundung verstehen darf. So lange man hier diskutiert, gibt es Leben! Und so lange Matteo Salvini im Verein mit Matteo Renzi versucht, die Regierung zu stürzen, um ein Notfallkabinett aus dem populistischen Nährboden zu stampfen, wahrscheinlich auch. Aus der alten Volksweisheit „es regnet, die Regierung ist schuld“, wird gerade „Corona, die Regierung muss weg“, was ziemlich gut beweist, dass der Gesundheitszustand der italienischen Politik ziemlich unabhängig von chinesischen Viren Besorgnis erregend ist. Oder kann man sich in Deutschland einen Regionalpräsidenten vorstellen wie den Gouverneur Veneziens, den Lega-Mann Luca Zaia, der im Fernsehen fröhlich posaunt: „Wir haben alle gesehen, wie die Chinesen lebendige Ratten essen!“ Kann man nicht. Noch nicht. Und lebendige Ratten schon mal gar nicht.

Als Römer zelebriert man seit 3000 Jahren gepflegte Coolness und als Römerin natürlich erst recht. Weswegen bei uns alles offen ist (außer ein paar zwischenzeitlich Pleite gegangenen China-Restaurants), aber die nicht ganz so coolen Touristen trotzdem einen großen Bogen um uns uns machen. Hier ein Geheimtipp an die LeserInnen: Noch nie war Rom so billig wie heute. Rote Teppiche vor den Luxushotels (zu Preisen wie früher die dichtgemachte Jugendherberge), Riesenportionen in den Restaurants, keine Schlange vor dem Kolosseum.

Im Ausland erfasst man den gigantischen Unterschied zwischen Rom und Vo‘, Provinz Padua, leider nicht voll und ganz, weswegen immer mehr Länder überhaupt keine ItalienerInnen mehr hereinlassen. Die Häfen sind geschlossen sozusagen, der alte Traum von Salvini, nur, dass er diesmal selbst nicht vom Schiff dürfte. Sein Parteigänger Attilio Fontana, Präsident der Region Lombardei, befindet sich sogar in „Auto-Isolierung“, womit nicht gemeint ist, dass er sich im Wagen verbarrikadiert hat, sondern dass Fontana im Büro schläft, „um meine Familie zu schützen.“ Eine seine Mitarbeiterinnen hatte sich angesteckt, der Präsident ist zwar negativ, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Dass Fontana sich im Gesichtsbuch (vulgo Facebook) theatralisch eine Chirurgenmaske übergezogen hat, fanden selbst Lega-Wähler nicht so toll: Panikmache! Dabei kennt der Mann sich mit Schutzmechanismen aus. Die Wahl hat er locker mit der Ankündigung gewonnen, er wolle die weiße Rasse schützen.

Die physische Gesundung der Lombardei schreitet massiv voran. Auch, weil ab sofort nur noch die Zahl der Neuerkrankungen angegeben wird und nicht die der Infizierten. Man ist ja nicht blöd, die Wirtschaft befindet sich sowieso schon im Sturzflug.

 

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