Cricetare

Das italienische Wort für  „hamstern“ wäre „cricetare.“ Aber das gibt es gar nicht, man sagt „fare provviste“, Vorräte machen. Vielleicht liegt es daran, dass der Zwerghamster als Haustier hier sehr unüblich ist. Italiener können Hamster nicht wirklich von Mäusen unterscheiden, und das Hamsterrad fänden sie ohnehin schockierend. Was soll man auch mit nachtaktiven Kleinsttieren, die zudem noch eine Zwangsstörung haben, beißen und stinken? Eine bei italienischen Freunden beliebte Anekdoten betrifft einen berühmten Journalistenkollegen vom Spiegel und die Meerschweinchen seiner Tochter. Der Kollege hatte seinen Meerschweinchenbullen (oder Meereber?) in Rom von einem Tierarzt sterilisieren lassen. Der Tierarzt hat 600 Euro dafür genommen. Das finden meine Freunde, die übrigens auch kein Meerschweinchen von einem Hamster unterscheiden können, sehr lustig.

Als Kind und auch noch als Studentin hatte ich Hamster. Die ersten brachte mein Patenonkel Herbert in kleinen Pappschachteln mit, in die er Atmungslöcher gestochen hatte. Onkel Herbert hatte eine Autowerkstatt und selbstgebastelte, dritte Zähne. Beides fanden wir als Kinder faszinierend. Als Erwachsene muss ich sagen, dass seine Installationen aus getrockneten Zierkürbissen, Draht und blauem Autolack noch faszinierender waren.

Die Hamster starben immer ganz schnell, außer meinem letzten, eine Hamsterin namens Giuseppina. Für eine Maus war Giuseppina eindeutig zu fett. Sie hatte freien Auslauf in meiner Wohnung im Dortmunder Kreuzviertel (80 Quadratmeter, 200 Mark im Monat), dauernd Kohlestaub im Fell, wenn sie sich wieder mal in meinen Kohleöfen versteckt hatte und sie fraß Löcher in die selbstbestickten Decken, die meine Oma auf der Flucht aus Pommern gerettet hatte. Als ich nach Italien zog, übergab ich Giuseppina meinem Bruder, dem Altenpfleger und Death-Metal-Rocker.

Gerade kann man viel darüber lesen, dass die Deutschen hamstern, die allerbeste Geschichte dazu ist diese hier. Meine italienischen Freunde finden es sehr interessant, dass es in Deutschland Dosenravioli gibt und haben Spaß daran, Pichelsteiner Topf auszusprechen. Am lustigsten finden sie aber, dass die Deutschen Klopapier bunkern. Sie meinen, das sei ein Fall für die Psychoanalyse. Manche analysieren es auch gleich selbst, aber was dabei herauskommt, schreibe ich jetzt mal lieber nicht.

Hier werden auch Vorräte gemacht. Reis, Mehl, Zucker, Linsen, grobes Salz. Und Pasta, Tonnen von Pasta. Nur eine Sorte, die bleibt im Regal: Penne lisce.

Das ist doch ein interessanter Fall für die Marktforschung.

 

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