Rien ne va plus

Und jetzt bitte keine Panik auf der Titanic. So ungefähr beginnt mein Mann, der Professor, heute morgen seine Mails an besorgte StudentInnen. Seit Donnerstag sind die Unis geschlossen, seit heute früh ist quasi das ganze Land abgeriegelt – wobei das natürlich nicht stimmt, denn es wird noch gearbeitet. An der Uni (120.000 Studentinnen) mit Internet-Vorlesungen. Sprechstunden via Skype. Und vor allem: StudentInnen beruhigen. Wie zum Beispiel die junge Frau aus Pakistan, die von ihrer besorgten Familie die Order erhielt, aus dem verseuchten Italien sofort nach Hause zu reisen. Please don’t panic, schreibt mein Mann. Die Studentin ist ganz kurz vor ihrer Masterprüfung. Die auch stattfinden wird, mit Sicherheitsabstand, ohne das hier sonst übliche Publikum.

Please don’t panic, das ist das Gebot der Stunde. Obwohl es natürlich schon gespenstisch ist, wenn man so abgeriegelt wird. Theoretisch muss man schon begründen, wenn man seinen Heimatort verlässt – egal, wie groß der ist.

Eigentlich wollte ich morgen nach Deutschland fliegen, an meinen Heimatort. Natürlich gestrichen. Meine Eltern haben weniger Angst, von mir angesteckt zu werden als vor den Kommentaren der Nachbarn. Mein Bruder, der Death-Metal-Rocker, betreut beruflich alte, behinderte Menschen. Den dürfte ich sowieso nicht mal angucken. (Der andere ist Tischler). Ganz ehrlich, in meiner Kleinstadt würden sich vermutlich nicht allzu viele Leute über meine Anwesenheit freuen. Weil ich halt aus dem Seuchenland komme. Ich kann das verstehen.

So wie uns geht es jetzt gerade vielen. Die Kinder im Ausland, zum Studieren, in meinem Fall auch noch die Eltern. Es geht jetzt gerade nicht hin – und vor allem vielleicht nicht zurück. Und wir überlegen: Geht es eigentlich noch von Rom aufs Land? Laut Notverordnung nicht.

Ich wollte eigentlich nur ein paar Tage bleiben. Wenn ich jetzt zurück in die Stadt fahre – wann kann ich überhaupt wieder kommen? Die grundsätzlichere Frage wäre: Wieso soll ich eigentlich gerade jetzt weg von hier?

DSC_1054

Wenn schon zu Hause bleiben, dann lieber auf dem Land. Das Land ist immer offen, während in der Stadt alles geschlossen ist, was die Stadt ausmacht. Kino, Museen, Theater und jetzt sogar die Restaurants, ab 18 Uhr. Unser Freund Marco, der bei sich zu Hause mit seinem Projektor einen kleinen Kinofreunde-Kreis veranstaltet, hat für nächsten Montag auch schon alles gestrichen. Man darf arbeiten, sich aber nicht nach Dienstschluss versammeln, das ist die Ansage der Regierung. Sicher, irgendwann in den nächsten Tagen muss ich nach Rom, den Mann unterstützen. Aber heute wird erst mal der Gemüsegarten gepflügt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s