Addio Maestro

Heute früh ist im Alter von 74 Jahren Gianni Mura gestorben. Sportreporter, Betrachter des Menschlichen, Kommentator der Zeitläufte, Schriftsteller und Gourmet.

Ein Mann von umfassender Bildung, gelassener Ironie und unbestechlicher Haltung. Mura konnte schreiben wie der Teufel und er tat es unbeirrt auf seiner uralten Olivetti-Schreibmaschine. Als ich ihn damit zum ersten Mal in San Siro auf der Pressetribüne sah – es muss im Winter 1999 gewesen sein – war er schon der Letzte seiner Art. Olivetti, Zigarette, dazu Wollpullover in wechselnden, undefinierbaren Farben, die im Sommer durch eine Fotografen-Weste ausgetauscht wurden.

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Mit dem Fußball verband ihn eine Hassliebe, aber zur Höchstform lief er beim Radsport auf. Hier ein paar Gedanken zu seinem 70., als er die soundsovielte Frankreich-Rundfahrt begleitet hatte.

Mura war ein grandioser Lebens-Erzähler, ein unermüdlicher, aber nie eifernder Journalist. Das Investigative lag ihm nicht, das Betrachtend-Analytische umso mehr. Jeden Sonntag erschien in „La Repubblica“ seine Kult-Kolumne: „Sieben Tage böser Gedanken“, dabei hatte dieser Mann gar keine bösen Gedanken, er wunderte sich höchstens über die der anderen. Männer (und sehr selten auch Frauen) aus Sport, Politik und Gesellschaft bekamen in dieser Kolumne ihr Fett weg. Denn eine Trennung zwischen dem Sport und dem Rest, die gab es für Gianni Mura nicht.

Er war uneitel bis zur Bescheidenheit. Man sah ihn nicht in Talkshows und schon gar nicht in jenen unsäglichen Fußball-Dummschwätz-Runden. Soziale Netzwerke: Null, naturalmente.

Ein Schreiber ist ein Schreiber ist ein Schreiber. Mura war ein Großer. Vielleicht war er der größte italienische Journalist.

 

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