Locker bleiben

Aus Italien betrachtet, hat man das Gefühl, dass in Deutschland gerade die Stimmung kippt. Die Leute fordern und bekommen Lockerungen, dabei ging es doch auch in den letzten Wochen schon sehr locker zu, verglichen mit Spanien, Frankreich und Italien. Tagelang wurde über eine Maskenpflicht diskutiert, als wäre es ein Angriff auf die Menschenwürde, sich Mund und Nase zu bedecken, um andere vor den eigenen Spucktröpfchen zu schützen. Gestern habe ich im WDR eine Hörerin vernommen, die tatsächlich erklärte, sie sei gegen die Schutzmasken, weil man das Gegenüber damit nicht mehr lächeln sähe – und das deprimiere sie so. Da sage ich als Italienerin: Chi se ne frega, wen juckt das?

Deutschland ist ein reiches Land. Es gab sofort Hilfen in einem Ausmaß, von dem der Rest der Welt nur träumen kann, sogar Künstler konnten einen Antrag stellen. Trotzdem lamentieren sich alle. Die Schausteller glauben, sie hätten ein Recht auf Volksfeste. Die Fußballklubs meinen, der Geldregen von den Fernsehsendern dürfe nie versiegen. Aber Millionärs-Fußball und das Oktoberfest braucht im Moment wirklich gerade kein Mensch. Genauso wenig wie die absurde Urlaubsdebatte. Es ist Pandemie, da kann man die Ferien auch mal ausfallen lassen. Und da wir gerade noch dabei sind, hier ein spezieller Vorschlag: Wir überlassen die Strände und Wellnesshotels in diesem Sommer dem Personal aus Krankenhäusern und Supermärkten, den Paketzustellerinnen und Reinigungskräften. Den einzigen, die wirklich Urlaub brauchen!

 

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