Berlusconi – Fortsetzung folgt

Silvio Berlusconis Wahlverein „Forza Italia“ dümpelt bei sechs Prozent. Milan ist verkauft, Mediaset hat auch schon bessere Zeiten gesehen, genau wie die Buchverlage Einaudi und Mondadori. Der Alte (im September wird er 84) hat sich mit einer neuen, gerade 30-Jährigen „Verlobten“, Parlamentsabgeordnete von Don Silvios Gnaden, in einer Villa in der Provence verschanzt, um die Corona-Krise auszusitzen. Wer deshalb denkt, Berlusconi sei ein Auslaufmodell, der irrt allerdings gewaltig. Noch immer ist er der größte Kulturunternehmer Italiens. Noch immer zieht er hinter den Kulissen die Fäden. Noch immer vertritt er Italien in der EVP – vielleicht ist das der Grund, warum die SZ „Forza Italia“ neuerdings ziemlich großzügig  als „bürgerlich“ bezeichnet.

Diese Kategorie wäre mir im Leben nicht eingefallen, aber gut. Was noch nicht in der Zeitung stand: Berlusconis jüngster Sohn Luigi, 31 und seine Schwestern Barbara und Eleonora mischen auch schon gewaltig mit. So schnell wird Italien die Berlusconis nicht los, wobei die Frage wäre: Wer will das hier überhaupt?

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Die Holding „Bending Spoons“ hat mit den Berlusconis als Anteilseigner die App „Immuni“ entwickelt, die Italiens Regierung soeben zur Eindämmung der weiteren Verbreitung des Corona-Virus ausgesucht hat. Eigentlich logisch, denn die Berlusconi-Kinder gehören zu den reichsten Erben Italiens. Ihre älteren Halbgeschwister Marina und Piersilvio haben das Verlagsgeschäft, bzw. das Fernsehen übernommen, also investieren die Jüngsten in die Neuen Medien. Mit im Boot sind bei „Immuni“ außerdem auch „Diesel“-Markeneigner Renzo Rossi und Vertreter der Familie Benetton. Diese Unternehmer stehen „Forza Italia“ seit jeher eher kritisch gegenüber, aber wenn es ums Geschäft geht, ziehen Italiens wichtigste Familien schon immer an einem Strang.

Es ist indes etwas befremdlich, dass ausgerechnet eine Regierung unter federführender Beteiligung der Fünf Sterne (Conte wurde von ihnen ausgewählt, auch wenn er kein Mitglied ist), die Erben ihres Erzfeindes Berlusconi mit dem wichtigsten Staatsauftrag ausstattet, der zurzeit vergeben werden kann: Die Überwachung von Bewegungen und Kontakten der Bürgerinnen und Bürger. Die schärfsten Kritiker der Elche werden in Italien halt immer selber welche. Und die Grillini haben sich, genau wie Berlusconi, noch nie um ihr Geschwätz von gestern gekümmert.

Wozu auch irgendwie passt, dass „Bending Spoons“ dem Vernehmen nach kürzlich 260 Millionen Euro geboten hat, um in die weltgrößte Homosexuellen-Dating-App Grindr einzusteigen. Silvio Berlusconi hat bei jeder Gelegenheit gegen Schwule gehetzt. Für seine Kinder aber wäre Grindr ein Riesengeschäft.

 

 

 

 

 

 

 

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