Zehn Wochen, elf Frauen

Weniger Verkehrsunfälle. Weniger Einbrüche. Weniger Raubüberfälle. Aber elf Frauenmorde in zehn Wochen Lockdown. Die Täter: Söhne, verschmähte Liebhaber, Ehemänner – und eine Nichte, die ihre Tante umbringen ließ. Es sind ausnahmslos brutale Morde aus brutalen Motiven und sie beweisen, dass eingetreten ist, wovor SozialarbeiterInnen und PsychologInnen nicht nur in Italien gewarnt haben. Der Lockdown hat für viele Frauen eine Falle bedeutet, für elf von ihnen sogar eine tödliche. Über eine lange Zeit konnten sie den toxischen Beziehungen mit ihren Angehörigen nicht entfliehen, über Wochen waren sie der Gewalt der mit ihnen eingeschlossenen Männer ausgeliefert.

Manche der Täter waren der Polizei als gefährlich bekannt, weil ihre Partnerinnen sie bereits angezeigt und um Hilfe gebeten hatten. Doch diese Hilfe blieb aus. Die Angst vor Ansteckungen wog schwerer als die Not der Frauen.

Andererseits wog die Not der Frauen in sehr vielen Fällen schwerer als der Mut, zur Polizei zu gehen. Das jedenfalls wird jetzt mit einigem Recht vermutet. Denn wer zeigt schon den prügelnden Partner an, wenn klar ist, dass es aus der Lage keinen Ausweg gibt? Keine Alternative zur gemeinsamen Wohnung, der Falle? Unter den elf Getöteten sind Opfer, deren engste Angehörige weggeschaut haben, weil sie die Gewalt, die den Frauen angetan wurden, vielleicht für normal hielten. Oder für ein angemessenes Erziehungsmittel.

Viele der Getöteten hinterlassen andere Opfer. Die gemeinsamen Kinder mit den Tätern. Manche sind nun Vollwaisen, weil ihr Vater, der Mörder, sich nach der Tat das Leben genommen hat.

Gegen Gewalt hilft keine Impfung. Aber die Opfer des Corona-Lockdowns sind nicht an einem Virus gestorben. Man hätte sie retten können und müssen.

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