Ferragosto

Dieses Fest ist älter als das Christentum, das es in Mariae Himmelfahrt umgewandelt hat.  Die Kirche, diese große Recyclingmaschine!Wenig haben sie erfunden, noch nicht mal die Himmelfahrt selbst. Einem Mann, der ihren verstorbenen Gatten Augustus in den Himmel aufsteigen sah (angeblich), zahlte Livia eine Million Sesterzen, weil damit der „Beweis“ für die Vergöttlichung des Princeps erbracht war. Divus Augustus!

Dieser Princeps Augustus hatte die Feriae Augusti im Jahr 18 v. Chr. eingeführt, auf dem Höhepunkt seiner Macht und Popularität. Ein paar Tage Ruhepause Mitte August, nach getaner Erntearbeit, jedenfalls für die Menschen. Nutztiere wie Esel und Ochsen mussten um die Wette rennen und sich dabei erst recht schinden, immerhin mit Blumen bekränzt. In manchen Gegenden Italiens hält sich der Brauch bis heute, etwa beim Palio in Siena, dem Pferderennen um die Piazza del Campo.

In diesem Jahr fällt der Palio aus, wie überhaupt fast alle Volksfeste ausfallen, aus bekannten Gründen. Im Nachbardorf, mit 50 Infizierten und 2 Toten als Zona Rossa abgeriegelt, fand nichts statt. Hier ein Foto aus dem Vorjahr, als die improvisierte Trattoria mit den wundervollen Salsicce vom Holzkohlegrill voll im Einsatz war.

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In unserem Dorf gab es einen Versuch. Viele, darunter auch wir, sind nicht hingegangen. Uns war nicht danach. Muss dann eine traurige Veranstaltung gewesen sein, im Schatten der Turnhalle, anstatt auf dem Renaissance-Dorfplatz, Masken rauf und runter, kein Tanz, kein Feuerwerk.

Aus dem Sommerfest ist ein Tag des Innehaltens geworden. Man schaut auf die zurückliegenden Monate und stellt fest, dass man sie noch nicht ganz verdaut hat. Man schaut nach vorn, mit einem mulmigen Gefühl. Gerade schleppen die jungen Italiener, die nach Kroatien oder Griechenland gefahren sind, das Virus wieder ein. Für die Rückkehrer sind Tests angeordnet, manche Regionen wollen gleich die Quarantäne.

Dazu die Hitze. Ist es ein persönlicher Eindruck, dass jeder Sommer immer noch wärmer wird? Seit Wochen herrscht Dürre bei Temperaturen über 30, in den letzten Tagen über 35 Grad. Im Garten verschrumpeln die Tomaten, die Auberginen haben das Wachstum eingestellt, das Gurken- und Zucchinizeugs sowieso. Nachbarn haben ihr Gemüse mit Bettlaken abgedeckt, gegen die brutale Sonne. Wir alle verbringen die brütend warmen Nachmittage mit verschlossenen Läden in unseren Häusern. So sind der halbe Juli und der halbe August vergangen.

Ferragosto ist zugleich der Höhepunkt und der Wendepunkt des Sommers. Der Herbst lauert schon, hinter dem nächsten Hügel. Wir streben ihm entgegen, voller Sehnsucht nach frischen Tagen und kühlen Abenden. Und mit ein wenig Sorge für den Rest.

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