AS Romulus und Remus

Vor sehr vielen Jahren, als sich die Römer noch über wild knipsende Japaner in der Sixtinischen Kapelle aufregten, stand in irgendeinem Zeitungskommentar, man solle eine Prüfung für derlei Touristen anordnen, in der sie zehn Fragen zur Renaissance beantworten müssten, bevor sie überhaupt Zugang bekämen zu den Hauptwerken der abendländischen Kunst.

Heute hat man hier längst begriffen, dass die knipsenden Japaner entweder den Epilog des untergehenden Kultur-Tourismus bildeten – oder den Prolog zu jener Barbareninvasion, die gerade durch die Seuche etwas abgebremst ist, aber bestimmt nicht für ewig. Das mit der Prüfung hat sich jedenfalls erledigt, ganz abgesehen davon, dass eine Menge Römer sie auch nicht bestehen würden. Aber man könnte die Idee durchaus nochmal aufwärmen: Wer in Rom einen Fußballklub kauft….nein: Wer den römischen Fußballklub kauft, der muss a) Romulus von Remus unterscheiden können und  b) wissen, wie die Abseitsregel funktioniert. Drittens müsste er Testaccio buchstabieren können (angestammtes Roma-Stadtviertel) und viertens die Formation der letzten Meisterschaft 2001 draufhaben. Fünftes die Roma-Hymne und Grazie Roma akzentfrei singen. Fünf Aufgaben, das ist doch nicht zuviel verlangt!

Was a) angeht, sieht es schonmal schlecht aus. Die ad hoc gegründete Gesellschaft des neuen Roma-Besitzers Dan Friedkin heißt „Romulus and Remus Investments“, auf dass sich Titus Livius und Vergil im Grabe herumdrehen. Romulus ist der Stadtgründer und erste König, sein Zwillingsbruder Remus der Unglücksrabe und erstes Opfer. Kann man alles nachlesen, muss gar nicht bei den eben zitierten Herren sein, geht auch auf Wikipedia. Romulus und Remus, das ist keine Marke, sondern ein Mythos, in dem unter anderem Vergewaltigung und Brudermord prominent vorkommen. Also, nach der Abseitsregel sollte man schon besser nicht mehr fragen.

125955838-e7214351-90ad-4847-90bf-5efe2d82f76b

So sieht er aus, der Neue. Beruf: Autohändler (113 Toyota-Zweigstellen in USA). Hobby: Filme produzieren („The Square“)  und alte Kampfflugzeuge sammeln, siehe Bild. Ex-Präsident Pallotta war Italo-Amerikaner, Friedkin klingt eher nach Däno-Amerikaner. Rund 600 Millionen Euro soll er berappen für die Roma, und danach wird so schnell erstmal nichts ausgegeben, wenn man die blumigen Ankündigung von „langfristigen Investitionen“ richtig interpretiert.

Der Klub-Geschäftsführer bleibt derselbe. Guido Fienga, Römer, eine vernünftige Entscheidung, nicht nur weil er schon in der Ära Pallotta als einziger die Fünf Fragen beantworten konnte. Im Verwaltungsrat sitzen künftig vier amerikanische Autoring-Manager, darunter eine Quotenfrau.

Und Friedkin? Ist er ein knipsender Japaner oder sind wir schon mitten in der Barbareninvasion? Lazios Lotito übrigens spricht Latein und ich wette, der könnte auch Nummer 4 und Nummer 5.

Aber das wäre ja auch keine Lösung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s