Bye Bye Leo

Dass die Fans des FC Barcelona traurig über den Abschied von Leo Messi sind, ist verständlich. Schließlich wird damit  das Ende einer Fußballepoche besiegelt: Bei Barca wird es nie wieder so sein wie früher. Man war gemeinsam auf dem Olymp, jetzt ist der Abstieg angesagt und Messi schert aus.

Wenn große Fußballer aufhören, merken Fans, dass sie selber älter geworden sind. Noch schlimmer, wenn ein überragender Spieler nach 20 Jahren den Klub wechselt – dann fühlen sie sich um einen Teil ihres Lebens verraten. Das ist natürlich absurd. Fußballprofis spielen für Geld, im Falle von Messi für obszön viel Geld. Und für den Erfolg. Wenn der Erfolg ausbleibt, vertreibt das die Motivation und letztlich den Spieler (der Zweitliga-Abstieg der Weltmeister Buffon, Camoranesi und Del Piero mit Juventus 2006 wird wohl auf Ewigkeiten einmalig bleiben).

Mit 33 Jahren will Messi sich nun verändern. Es locken Abu Dhabis Klub Manchester City und Pep Guardiola. Fußball spielen für die Scheichs, es muss halt doch nicht mehr sein als ein Klub, nur das nötige Kleingeld sollte der neue Arbeitgeber haben. Messis Abschied offenbare „tragische Züge“ titelt heute die SZ und beschwört eine Trennung „im dreckigsten Schlamm der Fußballgeschichte.“ Wenn es um Messi geht, werden die besten Journalisten genauso ironiefrei wie der Argentinier selbst.

Denn mal ehrlich: Dieser Abschied ist vor allem wahnsinnig banal. Messi war zwar ewig bei Barca, aber was hat er repräsentiert? Eine Stadt, eine Region, eine Idee? Nein, Messi repräsentierte immer nur sich selbst. Er kann ausnehmend gut Fußball spielen, punkt. Als stets funktionierende Tormaschine ist er das perfekte Emblem der modernen Fußballwelt. Keine Mätzchen, kein Charisma, keine Ecken und Kanten. Bis auf den Reizmagen, aber welcher hart arbeitende Mann hat den nicht? Alles in allem liefert Leo Messi zuverlässig seit vielen Jahren ein Superprodukt nach dem nächsten. Zuverlässig zeichnet ihn die globale Unterhaltungsindustrie Fußball dafür fast alljährlich mit dem großen Verdienstorden aus.

Wenn er gerade nicht arbeitet, scheint er superlangweilig zu sein – und superuninteressiert am Rest der Welt, wie dieses italienische Interview erahnen lässt. Beides kommt wahrscheinlich nicht wenigen Fans und eventuell sogar einigen Sportjournalisten entgegen.  Messi gehört den Anhängern der reinen Leibesübung.

Die anderen finden Cristiano Ronaldo spannender.

 

 

 

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